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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 172 -
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Tagebücher172 heute von Beau monde; wir sprachen mit Mad. Orloff etc. und einer Menge Bekannten, die nach und nach von rom nachgekommen sind, goës, Auers- perg, cebrian, etc. nach tische ruhten wir von unsern fatiguen aus, gingen dann in die Per- gola, wo die Vestale von Mercadante ziemlich schlecht gegeben wurde; ich saß theils in der loge náko’s, theils bei orloff, die mich auf morgen zum es- sen engagirte, was ich aber leider abschlagen mußte, da ich schon bey re- witzky geladen bin; nach dem Theater war in dem éleganten foyer noch eine Art après-soirée der Crème von Florenz; nachher vergingen wir uns unglück- lich, dank sey es dem verschwinden unseres eselhaften lohnbedienten, und kamen spät müde und matt nach hause. ich verlasse florenz ebenso ungern als ich rom verließ, denn in beyden städten fand, und hätte ich bey einem längeren séjour noch weit mehr das gefunden, was mir in mailand so ganz abgeht, und doch besonders mir so unentbehrlich und zugleich so nützlich ist, eine angenehme gesellschaft und eine amusante, geistreiche Conversation; ich bereue es nun, diesen Winter so mal-à-propos in Mailand verkümmert zu haben; was ist es doch schade, daß mailand, welches sonst so schön und freundlich ist, dieses haupterfor- dernisses entbehrt! Wenn ich demungeachtet eines theils gern nach hause gehe, so geschieht es bloß der scala und meiner comforts wegen, die ich auf dieser Reise so ziemlich entbehren mußte; übrigens wer weiß ob sich die Ver- hältnisse in Mailand jetzt nicht besser gestalten werden; Spaurs sind für mich schon ein großer gewinn, und wer weiß was nachkömmt. heute ant- wortete ich der lottum, von der ich in rom einen Brief bekam. [florenz] 19. April heute mittag ging ich auf unsere gesandtschaft, wo ich Alles wegen mei- ner morgigen Abreise mit dem courier berichtigte und die expedition mei- ner korallen an flore mit dem nächsten courier am sonntag, der direct bis Wien geht, besorgte. dann déjeunirte ich mit tiesenhausen, welchem ich von rewicky einen lascio passare nach österreich besorgt hatte, und ging dann in den Palazzo Pitti; merkwürdig waren mr 2 himmlische Murillos, beyde santa famiglia, eine detto von A. del sarto, eine copie der vierge de lézard von raffael, die madonna della seggiola und die herrliche madonna dell’impannata, beyde von raffael, das portrait leo X mit 2 cardinälen von demselben, die magnifique Judith von christ. Allori, eine rebecca am Brunnen von guido reni, eine madonna mit 4 figuren von A. del sarto, eine nymphe mit einem satyr von giorgione, eine santa famiglia von Puligo, Julius ii von raffael, die madonna del Baldachino von raffael, die anbe- thungswürdige cleopatra von guido reni, ganz derselbe kopf und die stel- lung der Lucrezia bey Corsini; noch eine Madonna von A. del Sarto und eine
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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