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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 174 -
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Tagebücher174 wir recht lustig, wovon der arme náko viel zu leiden hatte. um 5 uhr ging ich auf das Postamt, von wo der Courier abfuhr; die 3 Andern kamen bald zu Pferd nach, eine glückliche Reise wünschen; es that mir leid, mich von tiesenhausen zu trennen, an den ich mich in diesen tagen, trotz einiger Ab- stoßungspunkte, sehr gewöhnt hatte. nach einer 1/2 stunde Warten, durch die expedition von depéchen, etc., herbeigeführt, fuhren wir ab in einem sehr bequemen Wagen, der courier (Barzaghi, in mantua wohnend, ein sehr angenehmer guter kerl, der mir unaufhörlich von seinen vielen ritten und Reisen, von Fürst Metternich, etc. erzählte; etwas Unglaubliches: als Na- poleon 1815 von elba wegging, ritt er in 14 tagen 2 mal von mailand nach Neapel und wieder zurück) und ich; wir fuhren sehr gut und überhaupt war die ganze reise eine angenehme. um 8 uhr morgens den andern tag war ich in Bologna, wo ich schnell einen caffé trank und dann mit einem Wagen, welchen mir Barzaghi ver- schaffte, zu dem berühmten Friedhof hinaus fuhr; der Custode schien ein Po- liticker zu seyn und unterhielt mich von der sehr independenten municipal- verfassung der stadt und Provinz Bologna, welche mir ziemlich oligarchisch (der rath ergänzt sich selbst, 60 mitglieder, vollkommen unabhängige Ad- ministration des stadtwesens und der Provinz) und in den verhältnissen der stadt zur Provinz, der ehemaligen stellung der alten schweitzerkantone zu ihren herrschaften, z.B. Bern’s zu vaud ähnlich zu seyn schien. Um 10 Uhr verließen wir Bologna; von da an ein herrliches, superb an- gebautes land, ein ewiger garten, und je weiter man kömmt desto schöner und üppiger. In Modena hatte ich blos Zeit einen Bissen zu essen; in Carpi ist ein sehr schöner Platz, der an den marcusplatz erinnert. Ganz Modena, das Land, scheint äußerst blühend und wohlhabend; schöne, gesunde Weiber fielen mir besonders auf; der Herzog zieht Alles an sich, kauft Alles zusammen, speculirt in Allem, z.B. gehen die Posten auf seine Privatrechnung, aber das Volk scheint sich dabey wohl zu befinden; bey carpi sah ich das landhaus gino menottis, von dem das m. abgenom- men ist, übrigens ist es und ein theil seiner habe seiner in Paris lebenden famille belassen worden. gegen 5 uhr passirten wir die österreichische gränze, bald darauf den Po auf einer Fähre, und waren gegen 9 Uhr in Mantua; dort hätte ich gerne meinen Abend wachend zugebracht, aber das theater war des fiasco’s der Primadonna wegen geschlossen, sonst auch nichts zu machen, und so sou- pirte ich, warf mich dann ganz angekleidet auf’s Bett und schlief bis 1/2 2 uhr, wo ich geweckt wurde und auf die Post ging. um 2 uhr fuhr ich mit dem eilwagen im cabriolet ab, frühstückte um 8 uhr in cremona, dinirte infam schlecht in lodi und kam um 1/2 7 hier an, wo mich mein Jäger und mein Wagen (welcher nicht verkauft wurde) erwarteten.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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