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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 177 -
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17720. Mai 1841 Pferde einspannen will; mich amusirt dieses Handeln, und ich hoffe dabey nicht zu verliehren. Spaurs sind seit einigen Tagen hier, freundlich und gut wie immer; ich habe für diese ganze familie eine ganz besondere Zuneigung und fühle mich so ganz wie en famille unter ihnen; Resi ist eine hübsche und distinguirte junge Person. heute Abends sah ich in der scala meine schöne miss rowley in einer Loge und machte ihr eine Visite; sie ist mit ihrer famille auf der Durchreise nach england, um sich mit captain harley, den ich in rom immer mit ihr sah, zu vermählen; leider geht sie schon morgen Früh fort. ich bin jetzt seit ein Paar tagen in starken liebesnöthen und courmache- rey begriffen; die Glückliche ist Signora Ronzi, bey der ich ganz unvermu- thet, getrieben von der inspiration eines Augenblicks, mein glück versuchte, und nun hoffe, in Kurzem ganz zu réussiren; sie wäre noch immer eine ganz annehmbare conquête, noch sehr schön, trotz ihrer 35–36 Jahre, dabey eine neapolitanerin voll feuer und leben,1 und dazu recht amusant, viel gereist, kurz une chanteuse du grand genre, und was das Beste ist, als solche keines langen Bleibens hier – nous verrons. es befindet sich jetzt eine andere sängerin hier, signora fanny goldberg von Wien, oder eigentlich eine polnische Jüdinn, jedoch ziemlich hübsch, die mir von Franz und Gustav Wimpffen empfohlen wurde; ich besuche sie manchmal, fand aber letzthin einen jungen herrn im schlafrock dort sitzen, welcher mir freylich später als verwandter presentirt wurde. mit meiner literarischen Arbeit geht es jetzt eigentlich mehr rück- als vor- wärts. die verhältnisse haben sich mittlerweilen, wenigstens meiner An- sicht nach, geändert; das Beispiel Preußen, dessen König seinen Untertha- nen eine morgenröthe liberaler representativer institutionen aufgehen ließ, sollte meiner meinung nach auf österreich eine mächtige rückwirkung ha- ben, und es wäre daher der moment de donner le signal, le branle-bas aux ésprits et au Gouvernement en Autriche, dieser Bewegung zu folgen; dazu müßte dann wahrscheinlich mein Werk ganz umgearbeitet werden, und dar- über bin ich noch nicht im klaren. in letzter Zeit habe ich gar nichts gethan und warte, bis sich diese ideen in mir mehr développiren. [mailand] 20. mai vorgestern tanzte die taglioni zum ersten male in dem Ballet la gitana, wel- ches mit einem beispiellosen Luxus in die Scene gesetzt ist; ich war entzückt; 1 die sängerin giuseppina ronzi de Begnis, geboren 1810, war bereits 41 Jahre alt. sie stammte auch nicht aus neapel, sondern war in mailand, nach anderen Angaben in Paris geboren.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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