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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 178 -
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Tagebücher178 seit der unvergeßlichen malibran habe ich nichts so vollkommenes gesehen. Gusti Szapary ist sammt Casimir Bathiany hier; ich soll sie heute abholen und ihr durch meine protection die erlaubniß verschaffen, das appartement der samoyloff zu sehen. gestern hatte ich ein erstes diner bey spaur und bemerkte mit kummer, daß der koch schlecht ist, erstlich weil ich lieber gut als schlecht esse, und dann weil ein guter koch, hier wo es so viele und so aufgeklärte gourmands gibt, die erste Acquisition eines gouverneurs, der auf Popularität ausgeht, seyn sollte. in der scala besuche ich nun gewöhnlich als gast die loge der spaurs, wo ich sonst als Herr und Meister thronte; sic transit; ein habitué derselben ist der erzherzog carl [ferdinand], der aus Passion für alle die jungen tänze- rinnen zerplatzen möchte; es wird auch in einem fort nur von diesen gespro- chen, was ziemlich langweilig ist. [mailand] 26. mai gestern kam die nachricht von dem tode der armen meraviglia, welche am 23. Früh in Venedig am Nervenfieber gestorben ist; mich frappirte dieser To- desfall sehr, da ich sie noch vor kurzem hier ganz frisch und gesund gesehen hatte und sie noch aus alter Zeit, nähmlich noch von insbruck her als com- tesse gekannt hatte; die Spaurs sind nun in tiefer Trauer;1 ich ging gestern hin, aber sie waren ausgefahren. gestern tanzte dlle taglioni zum 3. male, mit immer steigendem Applaus. Von meinen éleganten englischen Füchsen ist der eine steinkrumm; diese angenehme entdeckung habe ich 2 tage, nachdem ich ihn kaufte, beym Be- schlagenlassen gemacht, und suche nun, dieses durch teuflische künste zu verbergen und dann jemand Andern mit den Pferden anzuführen, so wie ich damit angeführt worden bin. Signora Ronzi besuche ich noch immer; sie behauptet fortwährend, da sie schon einen liebhaber und fauteur habe, so widerstreite es ihren Grundsätzen, diesem Hörner aufzusetzen; das ist sehr spaßig; leider ist es doch bey ihr nicht der Mühe werth, sich ihr ganz zu sacrificiren; das könnte man höchstens, und selbst da nicht gerne, für eine ganz junge und sehr schöne Frau thun; dieß aber verlangt eine Italiänerin immer, weil keine andere Frau eine Passion so ernsthaft nimmt wie sie; in die- ser Beziehung sind die italiänischen Weiber mehr werth als alle Andern, weil man bey ihnen nie die frivolität und die gewisse allgemeine coquet- terie findet, wie sonst wo; lieben sie Jemanden, so thun sie es tout de bon 1 Die verstorbene Gräfin Maria Kreszentia Meraviglia war eine Halbschwester von Gräfin Amalie spaur.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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