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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher180 land1 vortreffliche Geschäfte zu machen scheint; dagegen zappelt er in dem netze einer miss so and so, welche ihn à son corps déffendant [sic] heirathen will; armer John! und beständig besoffen ist er auch; das ist dort so Mode; wie doch die leute auseinander kommen! ob ich ihn jemals wiedersehe und ihn an unsere läppischen Auftritte erinnern kann? [mailand] 11. Juni vorgestern früh, während ich noch im Bette lag, trat ganz unvermuthet Gottfried bey mir ein, welcher soeben von Venedig angekommen war; ich hatte ihn nicht sobald erwartet und war sehr erfreut ihn zu sehen; man kann sich vorstellen, daß ich, der ich ihn seit 8 Jahren gar nicht, und eigentlich seit er auf der Welt ist nur sehr wenig gesehen hatte, ihn um eine menge Dinge zu fragen und einen nie erschöpften Stoff zur Conversation hatte; er gefiel mir sehr gut; es ist ein ganz unverdorbener, kräftiger junger Bursche, groß, wohlgewachsen, ein hübsches gesicht, gute haltung und quant au mo- ral, ganz so wie ich ihn wünschte, voll guter Anlagen, freude und eifer zu seinem stande, voll point d’honneur, gerade und offen, sehr geneigt, sich an Jedermann zu attachiren, voll Zutrauen, kurz ganz ein deutscher charac- ter, und dabey Cavalier; nur vielleicht etwas zu wenig lebhaft nach meinem Geschmack; seine äußerliche, d.i. Weltbildung ist freylich eben nicht sehr vollendet, übrigens doch immer so gut, als es die meisten jungen cavaliers unserer Staaten sind; und dabey ist er 17 Jahre alt, also jung genug, um noch Alles das zu erlangen, was ihm vielleicht abgeht. ich führte ihn später zu seinem Brigade-Adjutanten und regiments-ca- meraden oberleutnant steinacher, welcher ihm rieth, vorerst nach lodi, wo der stab liegt, zu gehen, sich dort wenigstens für den Anfang zu équippi- ren, und dann erst her zu kommen, um sich seinem inhaber radetzky und den übrigen Generälen vorzustellen; somit wurde denn ausgemacht, freylich sehr à contre-cœur des armen Burschen, der gerne noch etwas hier bey mir geblieben wäre, denn er ist mir außerordentlich attachirt, daß er schon tags darauf, d.h. gestern von hier weg und nach lodi gehen sollte. das geschah denn auch; ich suchte ihn noch vorgestern so viel als möglich zu amusiren, führte ihn auf den corso, ins theater, etc., wollte ihn gestern zur frohnleich- 1 Andrian drückt sich hier unklar aus. Während Adelaide in südaustralien liegt, war van- diemensland bis 1855 der offizielle Name der heutigen Insel Tasmanien. John Ainsworth horrocks ließ sich nördlich von Adelaide nieder und gründete dort das dorf Penwortham. er führte das erste kamel nach Australien ein und starb unverheiratet am 23.9.1846, nach- dem er sich auf einer entdeckungsreise an den lake torrens (ca. 400 km nördlich von Adelaide) eine schwere schussverletzung zugefügt hatte. der schuss hatte sich durch eine plötzliche Bewegung des kamels während einer vogeljagd gelöst, horrocks ist daher in der australischen folklore bekannt als der mann, den sein kamel erschossen hat.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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