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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 183 -
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18325. Juni 1841 Die Taglioni ist weg, es thut mir fast weh; am letzten Abend war ein heil- loser Lärm; sie wurde 44 Mal gerufen und mit Blumen und Kränzen beinahe erdrückt; dann war Musick vor ihrem Hause, und viele Tausend Menschen versammelt, bis in den hellen Morgen; sie wurde auf den Balcon heraus ge- rufen, etc., die hiesigen fashionables, hier lions genannt, gaben ihr bey ihr ein souper, wurden aber, so oft sie sich auf dem Balcon zu zeigen wagten, jämmerlich ausgepfiffen, so wie sie überhaupt durchaus nicht populär sind, und überall in reden und Journal-Artickeln, wie denn in solchen dingen in italien überhaupt viel mehr Publicität und öffentlichen leben herrscht als bey uns, verlacht und maltraitirt werden. eben jetzt gehen sie damit um, einen Jockey-club nach dem Pariser zu gründen. der hof und somit auch gabrielle werden wahrscheinlich erst Anfang Au- gust hieher kommen; Gabrielle ist in Leutomischl ganz selig und vergißt für den Augenblick ihre unangenehme stellung bey hofe, welche dank sey es der laune und miserablen eifersucht der erzherzogin immer unangeneh- mer zu werden scheint; die Kaiserin Mutter,1 welche gabrielle sehr liebt und sie öfters zu sich holen ließ, sagte ihr gerade heraus, die frau ärgere sich, daß Gabrielle jünger und hübscher sey als sie; das wird nun täglich ärger; ein glück ist hiebey gabrielle’s temperament und indifferenz und der ge- ringe Werth, den sie auf allerhöchste gunstbezeigungen legt, besonders wo sie aus so unedlen Quellen fließen. ich hätte bald vergessen, daß ich heute früh im Park von Weitem meine ex-flamme Pirovano sah, welche mit ihrer mutter und mr. merante her- ausgekommen war; O Eifersucht! sie soll schwanger seyn, so sagte mir der Erzherzog neulich und gratulirte mir zugleich; ich aber deprecirte im Be- wußtseyn meiner unschuld. mailand 25. Juni Als ich gestern vor 8 tagen monza verließ und auf der eisenbahn hieher zurück fuhr, hatte ich die Absicht, entweder gleich tags darauf (freitag) Abends oder am samstag früh wieder hinaus zu fahren, meine künftige schon halb und halb ausbedungene Wohnung définitiv und förmlich in Be- sitz zu nehmen; aber das schlechte Wetter hinderte mich dieß zu thun, und seit montag bin ich wieder wie Anfangs februar mit einer geschwulst heim- gesucht, welche ich mir weiß gott durch welche Quetschung zugezogen habe, und die mich nun, damit sie nicht wie damals in eine entzündung ausartet, zwingt, zu Hause zu bleiben; ich bin daher seit Sontag [sic] gestern zuerst etwas ausgegangen, die Abende ausgenommen, an denen ich der langeweile 1 karoline Auguste, die vierte gattin und Witwe von kaiser franz. sie war nur um ein Jahr älter als ihr stiefsohn kaiser ferdinand.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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