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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 186 -
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Tagebücher186 nialsecretär, -rath, oder -präsident bin ich meinen großen gedanken immer gleich nahe oder gleich ferne; meine Luftschlösser liegen anderswo. doch aber kommt es mir ebenso erbärmlich als verdrießlich vor, daß man uns, welche gratis, der ehre wegen, und um unserem lande nützlich zu seyn, dienen, den Brodkorb so hoch hängt, und es sich zum system macht, uns das verlangte nur nach wiederholter Abweisung de mauvaise grâce dann zu ge- währen, wenn wir dafür keinen Dank, keine Freude mehr empfinden; so ist es bey uns in Allem; Schlendrian Austriae Fundamentum. Gott besser’s! die leute ahnen es nicht, daß, wozu mich auch der kaiser machen mag, es noch immer so gut wie gar nichts ist im vergleich zu dem, was ich schon im mutterleibe gewesen bin, ein cavalier und ein mann von kopf. [mailand] 10. Juli Gestern wagte ich meinen ersten Ausgang; ich fand mich aber schwächer als ich erwartet hatte, kaum konnte ich mich bis zu cova schleppen, und als ich mich dort zum essen niedersetzte, wurde mir einen Augenblick lange tod- tenübel, so daß ich glaubte, ich würde vom Stuhl herabfallen; ich wurde ganz kleinmüthig, als ich diese Abnahme meiner Kräfte gewahr wurde; und auch heute fühle ich mich sehr schwach, werde aber doch gegen Abend wieder ausgehen, um mich nach und nach an die luft zu gewöhnen. ich sah gestern meinen mahler aus rom signore finetti, der nun wieder hier ist; er lud mich ein, ihn ein Mahl zu besuchen und seine Kunstschätze in Augenschein zu nehmen; übrigens ist Mailand jetzt leer und ausgestorben. Alles ist weg, auf dem Lande oder in Genua oder auf Reisen; übrigens habe ich zu Zeiten eine solche verödete stadt, die man voll und belebt gekannt hat, nicht ungern; es sind gleichsam die Grundfäden eines Stückes Tuch oder leinwand. Was mich betrifft, so habe ich den gedanken, in monza den nächsten Theil des Sommers zuzubringen, so ziemlich aufgegeben; bis ich völlig genesen bin und von den Annehmlickeiten eines land-Aufenthaltes Vortheil ziehen könnte, werden noch ein Paar Wochen verfließen; dann muß ich, sagt der Artzt, stärkende Bäder brauchen, und Anfangs August hoffe ich, wird sich meine reise in die schweitz, auf die ich warte wie auf das Pa- radies, entscheiden; daher je brûle Monza; vielleicht bringe ich einen Theil des Herbstes dort zu; dann ist auch Gabrielle dort. Diese schreibt mir glück- selige Briefe aus Leutomischl, Dux und Ingrowitz; sie lebt ordentlich wieder auf unter ihren Verwandten und guten Freunden von ehedem; wie hart wird es ihr wieder ankommen, sich in das hiesige eiserne Joch zu schmiegen; ich erwarte sie nicht vor Anfangs August hier zurück; um dieselbe Zeit ungefähr dürfte der hof ankommen. ich also bleibe hier, gehe dann in die schweitz, nach interlacken wo mög- lich, schwelge dort im genusse alles dessen, was mich umgeben wird, und
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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