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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher190 (mein onkel Waldstein soll 500.000 fl verlohren haben), und zwar gerade im moment als das neue Anlehen contrahirt werden sollte!1 es gab tumulte in Wien, wo das militär einschreiten mußte, die Papiere sind beispiellos ge- fallen; der nächste Anlaß dieser Fallimente war die von der Hofkammer an- geordnete restriction der Bank credite an die großen Wiener häuser. träfe das unglück nicht so viele unschuldige, so müßte man sich freuen, daß diese Accapareurs, diese Blutegel an dem reichthum der nation auch ein mal zu falle kommen. nebstdem bilden das tagesgespräch die eisenbahn nach ve- nedig, über deren richtung und wahrscheinlich hiemit zugleich über deren Realisirung hier am 12. August entschieden werden wird;2 und endlich die verunglückte contrerevolution in locarno,3 welche hier, pro und contra, viele fäden hatte. [mailand] 26. Juli mein Werk geht jetzt ziemlich rasch vorwärts und erfährt seine letzte, fi- nale Umarbeitung; denn die ursprüngliche Idee, mit der ich es anfing, habe ich seitdem ganz aufgegeben; Anfangs wollte ich, es solle eine erschöpfende darstellung des Zustandes der verfassung und verwaltung österreich’s werden; nun würde aber dieses nicht nur ein weit größeres Werk werden, als ich Zeit und Willen dazu habe; sondern auch, was die Hauptsache ist, es sind seitdem ein Paar Werke erschienen, welche ganz denselben gegenstand behandeln, und zwar das eine im englischen, jedoch schon übersetzt, von P.e. turnbull, ganz klassisch, das Andere betitelt: österreich im Jahre 1840 von einem österreichischen Staatsmanne, freylich um desto jämmerlicher;4 1 die beiden Wiener Bankhäuser geymüller & co. und steiner & co. mussten am 10. bzw. 17.7.1841 konkurs anmelden, der Besitzer des Bankhauses geymüller, Johann heinrich Frh. v. Geymüller, flüchtete in die Schweiz (woher die Familie stammte) und starb dort im Jänner 1848. Während steiner & co. (geleitet von den neffen des 1837 verstorbenen mel- chior r. v. steiner, Josef und melchior v. schickh) nicht zu den Wiener großbanken zählte, war geymüller neben Arnstein & eskeles, fries und rothschild eines der „großen vier“, die den Wiener Bankplatz dominierten und jeweils auch die staatsanleihen gemeinsam aufgekauft und dann am markt plaziert hatten. Zwar scheiterte der versuch, die Bank zu retten, doch sollten durch einen Staatskredit von 4 Mill. fl Folgekonkurse kleinerer Banken abgewendet werden. die ab 30.11.1841 ausgegebene staatsanleihe über 40 mill. fl in Münzobligationen (Metalliques) wurde darauf von den verbliebenen drei Großbanken übernommen. 2 die bereits 1837 gebildete Aktiengesellschaft der „lombardisch-venetianischen ferdi- nands-Bahn“ hatte am 7.4.1840 die definitive Konzession für den Bau der Bahnstrecke venedig-mailand erhalten. 3 eine ultramontane gegenrevolution gegen das seit dezember 1839 ebenfalls gewaltsam etablierte liberale regime im schweizer kanton tessin war gescheitert. 4 Zu turnbulls Arbeit vgl. eintrag v. 28.3.1841, zur schrift österreich im Jahre 1840 eintrag v. 22.9.1840.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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