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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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19131. Juli 1841 was ich daher nun bezwecke, ist nichts Anderes als eine darstellung der Resultate und der daraus zu ziehenden Schlußfolgerungen; deßwegen soll es heißen: Österreich und dessen Zukunft; das Motto ist: Gott besser’s! und der ideen ganz kurz etc. Auf was beruht die österreichische monarchie? Auf welcher garantie der stabilität? nicht auf der nationalität, nicht auf dem Adel, nicht auf der Bureaucratie, etc. etc., kurz auf nichts. daher, was muß geschehen? es muß zusammen fallen bey dem geringsten Anstoß; und sol- che Anstöße drohen mehrere. mittel dem vorzubeugen und den staat auf gesunde grundlagen zu stellen sind: Provincial-stände, municipalfreyheit, Brechung der Bureaucratie, ein Adel nach englischem muster, und Preßfrey- heit. Bey dieser Arbeit werde ich oft überdrüssig, oft müde und noch öfter klein- müthig, denn so schön mir meine idee vorkömmt, solange ich sie noch im kopfe herumtrage, so unzufrieden werde ich damit, sobald sie auf dem Pa- pier steht; ich hoffe, dieses sind nur die Schmerzen der ersten geburt, denn sonst müßte ich an meinem Berufe zum schriftsteller verzweifeln. flore schrieb mir neulich wieder und nichts von dem Projeckte des erz- herzogs, dieses ist also hoffentlich zu grabe getragen.1 der hof kommt erst um den 20. August, indem nun bald das feyerliche Begehren der erzherzogin Adèle für den herzog von savoyen durch den sardinischen gesandten sam- buy in Wien erfolgt; der arme Sambuy mußte in aller Eile von Recoaro nach Wien. Die fallimente in Wien und Triest häufen sich in Folge jener falliten; Hier spricht man noch sehr von der revolution im tessin, wo noch immer gehängt und erschossen wird; die kleinen Tyrannen sind ärger wie die großen. Eine starke hand im spiele hatten die hiesigen Biscottini (ultrareligiöse, Jesu- iten, obscuranten) und der Bischof von como,2 überhaupt der clerus, denn die tendenz des verunglückten Aufstandes war eine aristocratisch-religiöse. [mailand] 31. Juli Ich bin schon wieder krank, d.h. in einem geringeren Grade recidiv; seit ge- stern darf ich nicht ausgehen, obwohl ich nicht im Bette liege; das ist bald nicht mehr zum aushalten. vielleicht darf ich aber morgen ausgehen, und da wird es hoffentlich ein mal ein ende haben. letzthin ärgerte ich mich einen Augenblick über die faule und boshafte Bestie von meinem delegaten. kaum 1 gemeint ist der angebliche Plan, Andrian als gubernialsekretär nach triest zu versetzen, vgl. eintrag v. 20.7.1841. 2 kirchlich war der kanton tessin teil der diözese como, Bischof war seit 1834 carlo ro- manò. erst durch einen vertrag mit dem vatikan 1884 wurden die Pfarren des tessin einem eigenen apostolischen Administrator unterstellt, die trennung wurde 1887 durch die schaffung der diözese lugano abgeschlossen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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