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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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19918. September 1841 kurz, ich ärgerte mich und fuhr zu samoyloff, wo ich hruschowska, giovan- nina Asbahs, louis litta, Wojciechowski etc. fand. littas Bruder macht ge- rade jetzt die reise, die ich projectire, und doublirt in diesem Augenblick das cap horn. der glückliche mensch! heute ist mein 28. geburtstag, ein ernster tag, wieder ein Jahr vorüber von diesem kurzen leben, jedoch dieses war kein verlohrenes, und will’s Gott, so nähere ich mich mit raschen Schritten der Entscheidung; der alte koth fällt ab, und ich hoffe, bald in ein leben zu treten, welches mir mehr zusagt und mich an meinen wahren Platz stellt. [como] 18. september heute früh, als das dampfschiff abfuhr, war das Wetter so drohend, daß ich es vorzog hier zu bleiben; statt dessen war aber heute der herrlichste Tag von der Welt; ich machte nach Tisch eine lange und deliciose Excursion auf dem see, nach cernobio, villa d’este, etc., es ist wohl nicht leicht möglich, etwas schöneres zu sehen als den Comersee an einem solchen Tag; da heute sonnabend ist, war der see eben bedeckt mit barquen von seidenweberin- nen, die auf den sonntag nach hause fuhren, unter gesang und musick, was sich ganz herrlich ausnahm; eine andere Art von Unterhaltung gewährten mir meine Barcajuoli, von denen ich mir auf ihre Weise die fata der köni- gin caroline erzählen ließ, die bekanntlich 3 Jahre in der villa Battaglia und Este wohnte; sie sprachen Alle noch mit Liebe von ihr und mit Abscheu von Bergami sowie von den leuten, welche sich nach england bringen lie- ßen, um wider sie auszusagen; aus Cernobbio allein waren deren mehr als 50; sie erhielten nebst den Reisekosten täglich 10 frs., und ihre Weiber da- heim 2 und jedes ihrer Kinder 1 Franken des Tages; sie sind aber Alle ge- storben oder närrisch geworden, versicherte mein Barcajuolo.1 Auch sprach ich mit ihnen von der letzten verunglückten revolution im kanton ticino und ergötzte mich an ihrer originellen Auffassung der dortigen Zustände, besonders der volksversammlungen, welche ihnen nicht anders erscheinen als große, von einigen reichen bezahlte fressereyen (nach Art der restau- rationen2 in ungarn), wobey sich die stimmen, als für den gastgeber, von selbst verstünden; es mag wohl auch wirklich nicht anders seyn; was mir 1 Prinzessin caroline von Braunschweig-Wolfenbüttel war seit 1795 mit dem englischen thronfolger george (seit 1811 regent für den unheilbar kranken könig george iii.) ver- heiratet, die ehe war jedoch zerrüttet und sie lebte seit 1813 mit ihrem kämmerer und angeblichen geliebten Bartolomeo Bergami in italien. nach dem tod könig george iii. 1820 kehrte sie nach england zurück. ein darauf im oberhaus eingebrachtes gesetz auf Aberkennung ihrer Ansprüche als königin und scheidung der ehe scheiterte. sie starb kurz danach am 7. August 1821. 2 restauratio (tisztújítás), die (Wieder-) Wahl der komitatsfunktionäre.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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