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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 203 -
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2033. Oktober 1841 den tag meiner Ankunft regnete es übrigens, ich stieg Anfangs im Al- bergo reale ab, wo es mir aber, vornehmlich der lage wegen, nicht gefiel, nebstbey sah ich im Albergo della posta, wo ich auch im vorigen Jahre wohnte, ein Paar ganz charmante Wirthstöchter, und so wanderte ich aus und hieher. und nun sitze ich hier, wo ich vor einem Jahre die ersten Zei- len meines Werkes schrieb, und vollende es nun hier. diesen tag arbeitete ich ganz unbändig, so zwar, daß meine Augen beynahe darunter litten, und morgen hoffe ich, fertig zu seyn, einige ganz kleine noten und Zusätze aus- genommen, welche ich nur in mailand ausfüllen kann, welch ein stein von meinem herzen! heute fuhr ich um 2 uhr mit dem dampfboote bis Baveno, wo ich in ge- sellschaft, d.h. am selben tische einer fournée von unsociablen engländern, schlecht dinirte, und dann zu lande zurückfuhr. diese fahrt längs des sees ist ganz besonders schön, und ich machte sie großentheils während des schönsten mondscheines von der Welt. morgen Abends fahre ich ab, schlafe wahrscheinlich in sesto calende und bin übermorgen mittags auf jeden fall in mailand, wo ich gabrielle zu fin- den hoffe. mailand 3. oktober Wie ich es beschlossen hatte, fuhr ich am 29. nachmittags von Arona weg und bis gallarate, wo ich im Albergo dei tre rè abstieg, einer misérabeln dorftaverne, wo es aber eine charmante niéce gab, welche mich für den schlechten thee tröstete. tags darauf um 12 uhr war ich in mailand. hier ist denn Alles beym Alten, nur etwas langweiliger als gewöhnlich, da Alles auf dem lande ist. gabrielle ist nicht nur noch nicht da, sondern es weiß auch kein mensch von ihrer Ankunft. der hof wird auf keinen fall vor dem 15. ankommen, und noch ist es nicht gewiß, ob er nicht geradewegs nach venedig geht. doch aber hoffe ich, daß gabrielle nicht lange ausblei- ben wird, da flore mit ihrer erzherzogin in Persenbeug ist, und auch sonst von unseren verwandten gegenwärtig beynahe niemand in Wien ist, so daß gabrielle nothgedrungen fort muß. mein Werk habe ich endlich gottlob vollendet, nun geht es noch an einige Zusätze und noten, und dann wird es irgendwie vom stapel gelassen. gestern wurde mir höllenangst, weil ich eine Wiederkehr meiner krank- heit befürchtete, ich lief daher gleich nach hause und ließ den doktor rufen, es war aber nichts als ein rothlauf im hodensacke, durch Zugpflaster und erweichende Bäder verursacht, heute ist er schon viel besser, so daß ich aus- gehen kann.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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