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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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20510. November 1841 übrigens regnete es während meiner ganzen exkursion unaufhörlich, und somit war mit dem spatzierengehen, corso und mercato nichts. mailand ist leer, langweilig und todt, Alles auf dem lande, das theater immer leer, gräfin spaur seit 8–10 tagen krank, die samoyloff auch nicht hier, sie war früher durch 10–12 tage hier, während deren ich aber ein ein- ziges mahl in der loge bey ihr war, mir convenirt ihre jetzige männliche und weibliche umgebung nicht recht, und nebstdem ist sie meiner Ansicht nach eine frau, die man als curiosum exploitiren kann, welche aber für den ge- wöhnlichen umgang nicht angenehm ist. etwas, was durch 14 tage mailand beschäftigte und reden machte, war die fahnenweihe des regimentes Bakony, dessen oberst Wilhelm taxis, eine Prager Bekanntschaft von mir, welche mich an jene kleinen Aprés-soi- réen bey chotek erinnerte, in denen ich so entsetzlich déplacirt war, darüber beynahe zum narren wurde. die ceremonie selbst, welche ich aber bloß en badaud mitansah, war sehr schön und feyerlich, um 4 uhr war ein énormes diner vor 180 couverts alles in uniform, wozu ich auch geladen war, mit einer unzahl toasts und speaches, nachher ungarische und Zigeunertänzer im kasernhofe etc. der ganze spaß kostete taxis über 20.000 franken. das diner, welches 4 stunden dauerte, spürte ich noch tage lang im magen und in allen gliedern. seitdem gibt es hier durchreisende Prinzen à foison, dem Prinzen luitpold von Bayern zu ehren war eine sehr schöne kirchenparade, die ich noch am tage meiner Abfahrt nach varese mit ansah. solche militärische ceremo- nien verdrehen mir noch immer auf ein Paar stunden den kopf und machen es mich bedauern, nicht selbst militair zu seyn. mein Werk liegt fertig vor mir, einige noten und Zusätze, die ich mir nur nach und nach verschaffen konnte, nahmen soviel Zeit weg, nun studire ich auf die Art, es an den mann zu bringen. letzthin schrieb mir gabrielle in großer eile, ich solle gleich ein neues gesuch um Anvancement an sie schicken, da man ihr gesagt hätte, daß jetzt ein günstiger Augenblick dafür sey. das that ich denn, obwol ich dessen Aus- gang mit ziemlicher gleichgültigkeit erwarte, nur wegschicken sollen sie mich von mailand nicht, alles übrige ist mir à peu pris indifferent. im Jänner denke ich nach Wien zu gehen, um dort wo nöthig meine ame- rikanische reise zu praepariren, indessen arbeite ich hier vor. [mailand] 10. november seit gestern bin ich in einem aufgeregten, extraordinairen Zustande und mitten unter meinen gewöhnlichen umgebungen wie in einem fremden lande und einer neuen lage, zwey Worte werden es erklären. gräfin lot- tum ist hier, schöner liebenswürdiger, anbethungswürdiger als je, und ganz
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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