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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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2138. Dezember 1841 die neue Welt ziehe, die süßigkeiten, welche mir die alte biethet, mit freude und dankbarkeit genießen. dann – geht es nach Wien, und von da, wenn nicht Alles hinderlich ist, im frühjahr über england nach Amerika. hier gibt es sonst nichts neues, als daß ich in diesen tagen meine schöne signora rosina Picco hier erwarte, welche mich mit Briefen und mit liebe bombardirt, und für die ich eben eine Wohnung gefunden habe, in welcher ich mit ihr für die Zeit meines noch übrigen hierseins, denn sie ist hier, um auf ein engagement zu warten, so ziemlich wie mann und frau, oder eigent- lich wie entreteneur und entretenue zu leben gedenke. der hof ist nun hier, und ich habe diese tage über eine unzahl erzherzoglicher visiten gemacht, derer ich nun, gott sey gedankt, los bin. sonst lebe ich ziemlich einförmig, jedoch seit lange nicht so angenehm und selbstzufrieden, als eben jetzt. das heran nahende dénouement meiner Zustände, die Aussicht auf florenz etc. sind deren ursache, ich bin viel und gerne bey gabrielle, da kann ich mich nach gefallen ausschwätzen, sie versteht mich und nimmt theil an Allem, sonst sind spaurs, orsini, terzi, eine ganz charmante gräfin oldofredi, fürstin vidoni etc. die cotterie, in der ich mich am meisten, jedoch auch da ziemlich kalt und gleichgültig bewege. [mailand] 8. dezember der lion des tages ist gegenwärtig der berühmte thalberg, welcher dieser tage im theater ein glänzendes konzert gab, und den ich auch sonst, bey spaur etc., hörte. neipperg ist wieder wie gewöhnlich enthusiast und tag und nacht mit und bey ihm. Außerdem gibt es nichts neues, noch sonst eine veränderung in oder au- ßer mir. von hoffmann erwarte ich noch immer eine Antwort,1 ebenso von cotta und heinrich ritter. Anfangs Jänner denke ich nach florenz zu gehen, dort 14 tage in der nähe meiner gräfin lottum, mit der ich in lebhafter cor- respondenz stehe, zuzubringen, und dann nach Wien zu reisen, wo sich dann meine reisepläne auskochen werden. Zu meiner frühern idee in dieser hin- sicht ist nun noch eine andere hinzugekommen, nämlich dahin zu trachten, von den regierungen des deutschen Zollvereines Aufträge hinsichtlich der erforschung und regulirung des Auswanderungswesens nach Amerika zu erhalten, jährlich wandern nähmlich tausende von menschen aus dem Zoll- vereinsgebiethe aus, ohne daß bisher für ihre Aufnahme, unterkunft und für die erhaltung einer für beyde theile gleich wünschenswerten verbin- dung derselben mit dem vaterlande von den betreffenden regierungen ir- gend eine fürsorge getroffen worden wäre, worüber sich die öffentliche mei- nung in deutschland nach und nach kräftig auszusprechen beginnt. hierbey 1 gemeint ist Julius campe, der chef des hamburger verlagshauses hoffmann & campe.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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