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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 215 -
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21519. Dezember 1841 [mailand] 19. dezember Je näher ich der entscheidung rücke, desto mehr scheinen sich hindernisse und unannehmlichkeiten aufthürmen zu wollen, um mir diese letzten mo- mente zu verleiden und mich mit einer wahren sehnsucht auf den Augen- blick der erlösung harren zu machen. erstlich habe ich noch immer keine der Antworten erhalten, auf welche ich mit solcher ungeduld warte, weder von cotta, dessen erklärung über meine Anträge für die Ausführung, we- nigstens für die unmittelbare Ausführung meiner reiseprojekte von so ent- scheidender Wichtigkeit sind, noch von ritter, dessen Ausarbeitung über die handelsverhältnisse triests und oesterreichs zu Amerika ich ebenfalls un- umgänglich nöthig habe, um in Wien mit vollkommener sachkenntniß auf- zutreten. Auch von hoffmann und campe ist noch keine Antwort da, und da möchte ich vor meiner Abreise von hier wenigstens [über] den hauptpunkt, nämlich ob er das Werk zum drucke nimmt oder nicht, im reinen seyn, da sich derley kitzliche geschäfte brieflich schwer verhandeln lassen. diese un- gewißheit ist ein höchst unangenehmer Zustand und fängt mir an, mit jedem tage lästiger zu werden. Besonders contrariirt mich cottas stillschweigen, geht er auf meinen Antrag nicht ein, so weiß ich wirklich nicht, wie ich es anfangen werde, um meinen reiseplan auszuführen, denn mir fehlt der ner- vus rerum, geld oder wenigstens das hinreichende geld, und finde ich dieses nicht bey cotta, so ist mein vornehmster hoffnungsanker beym teufel, denn auf die munificenz der österreichischen regierung vertraue ich wenig, und auch von den regierungen des deutschen Zollvereines, an welche ich mich in Wien durch lerchenfeld etc. zu wenden denke, erwarte ich nicht sehr viel, wenigstens in pecuniairer hinsicht, und diese ist gerade jetzt für mich die entscheidende. daß ich aber meinen Plan ganz fahren lassen sollte, das könnte ich nun und nimmer mehr über mein herz bringen, ich habe mich damit so familiarisirt, und er ist mir nach und nach so lieb und unentbehr- lich geworden, daß ich wirklich nicht weiß, wie ich es ertragen würde, ihn ganz aufgeben zu müssen. Zu diesen Betrachtungen gesellen sich eine menge kleiner vexationen, die aber darum nicht minder dazu beytragen, einen zu verstimmen, die Per- plexität meines Banquiers, welcher mir nun ganz unerwarteterweise vom kommenden Jahre an meinen credit nicht erneuern kann oder will, so daß ich schleunige Anstalten treffen mußte, nur um meine vorhabende Wiener- reise antreten zu können, deren resultaten ich erst noch entgegen sehe, endlich eine menge unangenehmer ermahnungen und eröffnungen, welche mir jetzt bey gelegenheit meines langweiligen gesuches um eine noch lang- weiligere gubernialsecretairs-stelle, das ich, ich weiß selbst nicht warum, auf den rath Anderer eingebracht habe, von allen seiten zukommen. der erzherzog rainer meint, ich säße zu wenig im Bureau, der erzherzog lud-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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