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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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21727. Dezember 1841 ultras, als trintzi, Battaglia, Pio etc., zu bemerken. erzherzog carl ist über- all zu sehen, macht aber keinen großen effekt bey den hiesigen damen, was mich zum theile wundert, da er wirklich abgesehen von seinem range äu- ßerst comme il faut, élégant und liebenswürdig aussieht, ich bin sehr gut mit ihm. gestern sprach ich lange mit Berchtold, er will das kind seiner frau, und tiesenhausen’s wenigstens sagt man es, nicht für das seine erkennen und sitzt trotz dem den ganzen tag bey ihr, geht mit ihr ins theater und spatzieren etc. es gibt dinge auf der Welt, die unbegreiflich sind.1 [mailand] 27. dezember ich habe meine reiseprojekte in etwas geändert, denke vorläufig und zwar Anfangs Jänner bloß auf 14 tage nach florenz zu gehen, von da hieher zu- rück zu kommen und dann erst gegen mitte februar nach Wien zu reisen. dieses convenirt mir aus mehreren rücksichten besser. hauptsächlich deß- wegen, weil ich sowol von cotta und ritter, als von hofmann und campe noch immer keine Antwort habe und doch vor meiner Abreise nach Wien in beyden diesen hinsichten im klaren seyn möchte und muß. gräfin lot- tum schrieb mir vorgestern, sie erwarte mich auf jeden fall, und ich solle in demselben hôtel absteigen, wo sie wohnt, gar so strenge bewacht sey sie übrigens nicht. dagegen höre ich nun, Brockhausen sey als gesandter nach neapel bestimmt. da wäre es wohl möglich, daß wir uns in florenz träfen, das würde einen hauptspaß geben. indessen préparire ich mich nach mög- lichkeit auf meine große reise und lese humboldts riesenwerk mit gedul- diger ergebung,2 nur cotta’s stillschweigen beunruhigt mich, denn von da erwarte ich das hauptmoment meiner reise. gestern wurde die scala eröffnet, wie gewöhnlich große spannung und Wichtigthuerey, und wie gewöhnlich an diesem tage ein fiasco, welcher sich übrigens heute in einen gemäßigten und wahrscheinlich nach und nach in ei- nen entschiedenen Beyfall umwandeln dürfte, die oper, eigens von donizetti geschrieben, heißt maria Padilla, darin singen dlle löwe und Abbadia, ron- coni und donzelli, die Ballette sind elend und heißen l’ultimo imperatore del messico, und un sogno della china. somit sind die soirées etc. aus, worüber ich nicht böse bin, da sie au bout du compte alle ziemlich langweilig waren. die frauen sind hier hübsch und élégant, das sind aber auch ihre einzigen 1 nach den einschlägigen genealogien der familie Berchtold dürfte es sich um den 1842 (genaue geburtsdaten sind nicht angegeben) geborenen sohn stephan handeln. Am 29.10.1842 nennt Andrian explizit tiesenhausen als vater, jedoch den vornamen mit Pi- erre. 2 Alexander von humboldts Arbeiten über seine Amerikareise erschienen von 1805–1834 in Paris unter dem gesamttitel voyage aux régions équinoxiales du nouveau continent fait en 1799, 1800, 1801,1802, 1803 et 1804 par Al. de humboldt et A. Bonpland.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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