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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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22118. Jänner 1842 um 11 uhr hin, sie empfing mich mit einer Zärtlichkeit, welche meine hoff- nungen übertraf, und da verplauderte ich dann, glücklich und selig, volle drey stunden, und säße noch dort, hätte ich nicht fort müssen, und mach- ten unsere Arrangements wegen unseres Zusammenseyns und Benehmens in diesen nächsten tagen, und auf ihre Bitte richtete ich es so ein, daß ich morgen doch im hôtel d’italie, und zwar dicht neben ihr wohnen werde, da werde ich dann Abends spät, nach vollbrachter tagesarbeit, meine têtes-à- têtes mit ihr haben, was wird das schön seyn, ich wollte schon heute übersie- deln, aber es war durchaus nicht möglich. dann erzählte sie mir von ihrem leben in florenz, ihrer gesellschaft, und instruirte mich, wo ich mich vor- stellen lassen und wo ich hingehen sollte, um mit ihr zusammen zu treffen, kurz sie war anbetungswürdig und weit offener und unzurückhaltender in ihren demonstrationen als in mailand. Als ich endlich fort mußte, besuchte ich eine unzahl gute Bekannte. Put- bus, den ich sehr gealtert fand, mutter und tochter uechtritz, welche mit Wasa hier sind, und bey denen ich montenegro fand, der gestern en courier von Wien gekommen war, fürst metternich hatte, um ihn während des er- sten eclats seines duells mit felix lichnowsky zu entfernen,1 ihm die Propo- sition gemacht, wohin er als courier abgehen wolle, und er wählte florenz, er trägt, ich weiß nicht mit welchem rechte, den Arm in der schlinge, weiter sah ich die thurns, metzburg, orloffs etc., welche mich bey tische behiel- ten, wo außer mir noch ein marquis malaspina aus Pisa und zwey russische maler waren, welche nur russisch sprachen und uns 4000 skizzen aus dem kaukasus zum Besten gaben, meminisse horret. morgen speise ich wieder dort, mit lottum’s. darauf ging ich in die Pergola, wo man die huguenotten gibt, ziemlich langweilig, ich saß lange bey clotilde in der loge ganz steif und fremd, da es immer eine menge Besuche gab, daher dédommagirte ich gegen das ende, ging ins Parterre hinab und bobottirte weidlich mit ihr, was mich amusirte, obwohl es sonst nicht mein genre ist. hier gibt es dieß Jahr wieder wie gewöhnlich eine cohue von fremden, je- doch wie es scheint, nicht viel marquantes, eine unzahl vulgaire engländer, wenig russen, ziemlich viel franzosen und deutsche. Alles spricht von dem gestrigen kostümirten Balle bei lady holland, man verspricht einen zwey- 1 Bei einem duell zwischen dem vertreter des spanischen thronprätendenten don carlos, Joaquin montenegro, und fürst felix lichnowsky, der während des karlistenkriegs von 1837–1839 generaladjutant von don carlos war, wurde lichnowsky schwer verletzt. mon- tenegro war nach friedrich uhl (Aus meinem leben, Wien 1908, 95) ein regelmäßiger Be- sucher des salons des fürsten metternich: „der absonderliche chevalier montenegro, […] ein kleiner, schwarzer, eleganter mann, der mit einer Art von Wildheit viel distinktion verband.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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