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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 223 -
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22321. Jänner 1842 rendezvous für den Abend verabredet. da war dann gleich alle üble laune weg. nach tische schwätzten wir noch lange, frau von meyendorff ist eine außerordentlich angenehme und geistreiche frau und sah gestern ganz be- sonders gut aus. in der Pergola fand ich sie dann wieder, ging aber schon nach 11 uhr nach hause, um die rückkunft clotilde’s, welche noch in eine soirée zu mourawieff gefahren war, abzuwarten. Aber dummer Weise, und da ich mit den vorschriften des hauses noch nicht bekannt war, verpaßte ich ihre Ankunft und machte dann in meiner Besorgniß, von Jemandem gesehen zu werden, was sie desperat gemacht hätte, zwey verunglückte expeditio- nen nach ihrer thüre, immer in der ungewißheit, ob sie schon zu hause sey oder nicht, endlich gelang die dritte, nachdem ich mir beynahe in der dun- kelheit die nase zerschlagen hätte. sie hatte schon seit mehr als einer hal- ben stunde auf mich gewartet und zankte mich ganz entsetzlich aus. Zwey stunden vergingen mir wie zwey minuten, und ich ging wie immer verliebter weg, als ich gekommen, es war nach 2 uhr, die frau ist ein wahrer engel. [florenz] 21. Jänner gestern früh 1 uhr ging ich zu clotilde, da sie aber gerade toilette machte, wollte ich nicht warten, sondern ging auf unsere gesandtschaft und machte dann eine visite bey meyendorf, traf aber bloß ihn und bey ihm einen alten herrn, einen franzosen, wie ich glaube. Wir sprachen viel und lange über Politik und finanzen, über deutschland und oesterreich, über europas Zu- kunft etc. meyendorf, der eine bleibende mission des kaisers von rußland in Paris, so viel mir scheint, in kommerzieller und industrieller Beziehung, bekleidet, ist einer der ausgezeichnetesten, interessantesten menschen, die mir noch vorgekommen, und auch ich fand mich auf diesem terrain so ziem- lich zu hause. Auch höre ich, daß er seit jener conversation mir allenthalben ein großes und lautes lob singt. man kann nicht wissen, wozu das gut ist. mir eine renommée d’un homme à grandes idées zu machen, ist bey mir noch mehr Berechnung als eitelkeit. Wir gingen dann zusammen in die gallerie degli uffizi, wo frau von mey- endorf, eine ganz ausgezeichnete mahlerinn, ein Portrait von rubens kopirt, welches sie in 3 séancen schon beynahe zur vollendung gebracht hat und in noch einer ganz fertig zu machen hofft. hierauf besuchte ich die uechtritz und plauderte lange mit ihnen, sagte mich auch auf heute Abend bey Wasa an, welche visite ich denn doch einmal machen muß. indessen war es 1/2 5 geworden, und ich konnte oder glaubte doch nicht mehr zu lottum zu können, worüber sie mir dann vorwürfe machte, ich fla- nirte daher noch eine Zeitlang herum, genoß das herrliche Wetter am lun- garno und ging dann nach hause, wo ich ganz allein aß, da ich niemanden gefunden hatte, den ich zu mir hätte bitten können. übrigens war es recht
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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