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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 229 -
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22925. Jänner 1842 der, Albert, neulich im club zu mailand einen schlag über den kopf und forderte sogleich mit einer bewundernswürdigen geistesgegenwart und fas- sung das ehrenwort des schlagenden, diesen vorfall niemanden zu erzäh- len, voilà ce qui signifie voir de l’expérience dans de parcilles affaires. Andere hätten sich ganz dumm und einfach geschlagen. natürlich wußte es trotz ehrenwort am tage darauf die ganze stadt, und diese – empfing ihn nach wie vor. nun frage ich, welcher der unterschied ist zwischen italiener und hundsfott? clotilde gab mir den neuesten roman von eugéne sue: mathilde,1 worin mehrere bekannte Personen, unter andern Anatole demidoff, dieser letztere auf das scheußlichste, geschildert sind. [florenz] 25. Jänner ich saß gestern früh wieder von 1 bis 1/2 4 uhr bey clotilde, meistentheils allein, sie machte mir die Bemerkung, welche sich auch mir schon aufdrang, daß seit ich hier bin, ihre sonstigen Besucher ausbleiben oder seltener wer- den. ich werde, so scheint mir, ganz als der amant en titre angesehen, man fragt mich, wenn man wissen will, was sie thut, wo sie ist, etc. louis Zichy, zu dem ich von gräfin lottum ging, sprach mir auch davon, und meinte, die ganze stadt spräche darüber, au fait, qu’est ce que cela y fait? es ist übri- gens erstaunlich, wie sehr solche cynische späße wie die Zichys, sobald sie nicht von der Art sind, daß man sie en preux chevalier übel nehmen muß, den kopf wenigstens momentan abkühlen, denn der irrthum der verliebten ist immer und ewig der, daß sie die sache für weit wichtiger halten, als sie es wirklich ist, und sich einbilden, das was sie empfinden, sey früher noch nie da gewesen und werde immer so bleiben, und wenn man da mitten in diesem Wahne Andere darüber sprechen hört, mit dem kalten gleichgültigen interesse, welche ein jeder ausgenommen die Betheiligten einer so alltägli- chen sache schenken, so erinnert man sich erst wieder, daß es sich hier nach Allem doch nicht um tod und leben handelt, und daß der moment kommen wird, wo man über das, was einen jetzt aufregt, mit vieler ruhe nachdenken wird. mit diesen gedanken ging auch ich von Zichy weg, und ich gestehe, daß mir diese beynahe wohlthuend waren, und daß ich mich für unsere her- annahende trennung in dieser stimmung zu erhalten wünschte, aber ein Blick clotildes zerstört all das künstliche gebäude. dann flanirte ich herum, denn es war wieder schönes Wetter, bis auf den koth in den straßen, speiste an der table d’hôte im hôtel du nord, ärgerte mich wie gewöhnlich an tables d’hôte über die leute, die neben mir saßen und ihr dummes geschwätz, trank caffeh und las Zeitungen im café doney 1 eugéne sue, mathilde, mémoires d’une jeune femme (Paris 1841).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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