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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher234 bey clotilden zu machen, wo ich jedoch wieder eine menge leute fand. in einem Augenblicke der muße ging ich sogar in den Palazzo corsini, ließ mir die gallerie öffnen und besah mir da eine halbe stunde lang die unvergleich- liche lucretia von guido reni. um 6 uhr hatte ich ein ganz charmantes diner bey orloff – clotilde, mey- endorf (sie kam nicht), lapuchin, ein langweiliger hagerer schweizer mr. d’Arlins, herr v. Bergmann, schwedischer chargé d’Affaires, und ich. clo- tilde war wieder schön und elegant wie ein engel und freute sich sehr, als ich es ihr sagte. nach tische kamen viele leute: gräfin choiseul, mit der ich viel sprach, Bonetta, er und sie, Putbus, Allegri, froloff, mad. de mey- endorf etc., kurz ein voller salon. nach 11 uhr fuhr ich zu lobanoff, wohin clotilde mir vorausgegangen war, ich tanzte mit ihr und der meyendorf, mit welchen beyden damen ich beynahe ausschließlich war, es war ein ziemlich großer rout. clotilde überstrahlte Alle an schönheit und eleganz, es ist ein göttliches Weib. Während des diners bey orloff schickte mir dr. gambarajo das gewünschte mit einem sehr komischen Briefe, den ich der seltenheit wegen aufbewahre. übrigens kam ich an demselben tage nicht in den fall, die Wahrheit desselben zu erproben, denn da wir erst nach 3 uhr von loba- noff, wo clotilde und folglich auch ich sich recht gut amusirten, nach hause kamen, so dauerte unser rendezvous nicht sehr lange, und es war sonach keine rede davon. in folge des frischgefallenen schnees waren durch mehrere tage alle ver- bindungen mit dem norden abgebrochen, vorgestern den 27. kam der erste Wagen über die Appeninnen, unser courier Barzaghi, der von Bologna hie- her 4 tage gefahren war, bald nach ihm matteo thun, der 5 tage brauchte, und 2 tage in Pietra mala festsaß. es ist hiernach unmöglich an die rück- reise zu denken. letzthin verunglückte eine diligence mit 2 Priestern und einer tänzerinn, ein sonderbares Zusammentreffen. in folge dessen ging ich gestern mittags auf unsere gesandtschaft, um mir von schnitzer obiges schriftlich bestätigen zu lassen, und schrieb dann gestern und heute Briefe an spaur, gabrielle und den delegaten, die ich mit dem heutigen courier abfertigte. so angenehm es mir ist, noch ein Paar tage länger bey meiner angebetheten clotilde bleiben zu können, so ist es mir doch von der anderen seite unangenehm, gerade in diesem momente, wo sich etwas für mich entscheiden soll, mein Wort nicht lösen zu können, da ich fürchte, man werde mir trotz aller Attestate die sache nicht recht glauben wollen und mir dann hindernisse machen, wenn ich ende februar meine nothwendige reise nach Wien antreten werde. ich will daher noch 3–4 tage zuwarten, und sollte der Weg bis dahin nicht besser werden, über livorno zu meere nach genua fahren trotz meiner großen répugnance, bey dieser Jahreszeit zur see zu gehen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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