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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 235 -
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23529. Jänner 1842 Als ich von schnitzer zu clotilden kam, traf ich da schon Besuche, und bald darauf den herrn v. meyendorf, der auf heute den 29. Abends nach dem casinoballe ein souper vorschlug, ich wurde beauftragt, dieses zu ar- rangiren, und ging daher dann zu doney, dem vásy von florenz, ins hôtel du nord, und de l’europe. gegen 1/2 4 uhr machte ich frau von meyendorf eine visite, bey welcher ich clotilde und eine menge menschen fand. frau v. meyendorf selbst war gerade begriffen, das kind einer gräfinn dini zu portraitiren, was sie mit einer meisterhaften Perfection that. clotilde war heute sehr leidend und angegriffen, fuhr also bald fort, und ich sah mir noch das Album des fürsten lapouchin an, welches einige wirklich meisterhafte dinge enthält, und ging dann auch. gegen 1/2 5 ging ich zu gräfin lottum, um ihr von dem erfolge meines ganges wegen des soupers zu rapportiren, und fand da Allegri, sie fand den Preis zu theuer, und Allegri engagirte mich mit dem restaurant de l’Aigle d’or zu reden, der das ding weit wohlfeiler arrangiren würde. dann wurde noch ein wenig mit clotilde gezankt, sie be- hauptete gegen Allegri, ich sey ihr immer höchst gleichgültig gewesen, und ich war dumm genug mich darüber zu ärgern, und sagte ihr dann, stets ver- sichernd, ich hätte nie mehr verlangt als bloße freundschaft, einige dinge, welche sie ein Bischen verletzten und worüber sie mir dann auf dem Balle vorwürfe machte, doch war der friede bald geschlossen. um 1/2 6 uhr ging ich mit Allegri zu jenem restaurant, wo wir, Anfangs mit metzburg, meiner alten Antipathie, erbärmlich schlecht aßen, und dann mit dem restaurant das nöthige verabredeten. da er aber noch heute eine définitive Antwort haben wollte, so gingen wir, zuerst Allegri und bald dar- auf ich, zu clotilden, die wir bey ihrem onkel Putbus fanden, und da be- stellte ich dann, zum theile auf eigene verantwortung, das souper. dann wartete ich ziemlich lange auf ein mir halb und halb versprochenes ren- dezvous, clotilde sagte mir später, sie hätte ebenfalls auf mich gewartet, und als ich keine hoffnung mehr hatte, wieder eines der vielen mißver- ständnisse, ging ich zu louis Zichy, dem man gestern wieder eine operation gemacht hatte, der schlief aber schon, ich ging daher nach hause, kleidete mich gegen 1/2 10 uhr an, und wanderte zu Poniatowsky. charles war krank und im Bette. Anfangs wurde gesungen, Joseph und elisa Poniatowsky, die kleine lobanoff und montenegro ganz vortrefflich, weniger henriette uech- tritz, dann wurde getanzt. der Ball war sehr hübsch, clotilde trotz ihres unwohlseyns schön wie ein engel, wollte mir aber kein rendezvous zusagen, und um sie zu piquiren, fing ich an, der hübschen grabowski die cour zu machen ohne jedoch den Anschein zu haben, als sey ich böse auf clotilde, das sollte sie piquiren, meinte ich, denn hätte sie geglaubt, ich thue es aus Ärger, so hätte sie vielleicht darüber gelacht, so aber sollte es aussehen, als gefiele mir die grabowski wirklich und gleichgar malgré moi, und das sollte
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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