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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 237 -
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23730. Jänner 1842 d’hôte speiste mit Allegri, den ich zufällig da fand, und mehrern anderen herrn, darunter ein Paar gescheidte franzosen, mit denen ich über Pöniten- ziensysteme, findelhäuser etc. sprach, dann ging ich zu Zichy hinauf, bey dem ich montenegro fand, und dann nach hause, wo ich nun sitze und froh bin, endlich mit diesem langweiligsten aller tagebücher au courant gekom- men zu seyn. [florenz] 30. Jänner morgens es war abermals ein manquirtes rendezvous, welches mich gestern Abends von 8 bis 10 uhr zu hause hielt, ich sollte unserer verabredung gemäß sie noch vor dem Balle sehen, aber ihr onkel hatte den unglücklichen gedan- ken, bey ihrer toilette zu assistiren, und so j’en fus pour mon attente. Wenn ich sage, sie, so spreche ich von clotilde, das ist die einzige sie, welche mich jetzt beschäftigt. um 11 uhr ging ich aufs casino, wo mich schnitzer dem cavaliere d’ispezione vorstellte, es war eine furchtbare cohue und erinnerte mich an einen mittelmäßigen Ball beym sperl,1 nur lange nicht so brillant. doch fand ich ziemlich viele Bekannte. Bald nach mir kamen meyendorfs und lottum, ich tanzte mit Beyden einen Walzer, jedoch sehr malgré moi, denn der saal war schmal und schlecht, die unordnung grenzenlos, und die leute traten mir zu meinem großen verdrusse wie toll und blind auf den füßen herum. Wir waren mit meyendorf übereingekommen, den damen beym souper bey orloff Bouquete zu geben, die sie unter ihren couverts finden sollten, ich hatte comme de raison gräfin lottum auf mich genommen, und diese erfuhr ich weiß nicht wie, daß ich ein solches bestellt habe, und stellte mich beym tanzen darüber zur rede, um sie ein Bischen zu ärgern, sagte ich ihr, gräfin reviczky, auf welche sie ohnehin, und zwar seit ich hier bin, doppelt übel zu sprechen ist, habe mich um eines gebethen, und ich hätte es für sie bestellt, sie wurde wüthend und sagte mir ganz kalt und kurz, ich hätte sehr recht gethan. da erzählte ich ihr denn die Wahrheit, obwol es eigentlich eine überraschung für sie hätte seyn sollen, übrigens échouirte dieses Projekt, denn es fanden sich nur 2 Bouquets vor, meines und meyendorfs für gräfin reviczky, und clotilde gab das meinige, wahrscheinlich aus einem mésen- tente, an frau Baronin meyendorf, und ich konnte kein weiteres Aufheben darüber machen. um 2 uhr versammelten wir uns bey orloff, die damen waren clotilde, meyendorf, reviczky, Würtemberg und larochePouchin, die herren nebst den ehemännern colbert, froloff, levin, Bergmann, Zimmermann, obo- lenski, retzberg, Belischnikoff, Allegri, livingston und ich, ich führte frau 1 Zum sperl, einer der beliebtesten und elegantesten Ballsäle Wiens in der leopoldstadt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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