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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher240 noch ehe ich zu orloff ging, begegnete ich clotilde im Wagen, welche sich zu mir herausbog und mir einen Blick zuwarf, als bäthe sie mich um ent- schuldigung wegen ihrer Brusquerie. das tröstete mich dann einigermaßen. um 1/2 6 uhr aß ich mit froloff bey der europe, wir saßen dann noch lange beym kamin, es ist ein guter Junge voll schöner sentiments, noch nicht mit sich selbst ins reine gekommen, ungefähr wie ich vor einigen Jah- ren, sehr exaltirt in seinen Ansichten über die liebe, dabey aber ganz gentle- man. nachhin ging ich nach hause, machte toilette und begab mich in die Per- gola, ich hoffte die meyendorfs vorzufinden, die heute nach rom abreisen, er hatte mich gestern aufgesucht und mir im theater und nachher bey moura- wieff rendezvous gegeben, sie kamen aber nicht ins theater, ich saß lange bey lapuchin und gräfin choiseul, und dann bey orloff, wo ich Alexandre dumas fand, mit dem wir eine sehr interessante conversation über die fi- nanzielle und technische seite der litteratur, nämlich die Autorenrechte und honorare, den gewinn der verleger etc. hatten. er hat so eben in Paris einen vertrag mit einem verleger abgeschlossen, welchem er 48 Bände (à 75 schriftseiten) zu 5000 franken abzuliefern hat, ein superbes honorar. die sämmtlichen kosten des druckes, Papiers, etc. sind bey einer Auflage von 600 exemplare 20, bey einer von 1000 17 sous per Band! da hat ein tendler eine ganz andre Berechnung gemacht. um 11 uhr ging ich nach hause. clotilde hatte mich um diese Zeit be- stellt, sie hatte bey lady holland gegessen und wollte bis dahin zurück seyn. Als ich die Passage frey und sicher glaubte, ging ich daher an ihre thüre, fand sie aber verschlossen, dachte also, sie sey noch nicht zurück. Bis ge- gen 2 uhr wartete ich auf ihre rückkunft und machte in der Zwischenzeit verschiedene nochmalige expeditionen nach ihrer thüre, in meiner unge- wißheit, ob sie denn doch vielleicht zu hause wäre, auf einer derselben stieß ich an einen tisch an, machte einen heillosen lärmen und wurde von einem kellner gesehen, der sich aber nichts merken ließ, wenn clotilde das wüßte, wie wäre sie unglücklich. es ist unbeschreiblich, mit welcher Angst und sehnsucht ich auf mein rendezvous harrte, jeder Wagen der vorüberfuhr, agitirte mich, und ich war in einem Zustande der Aufregung welcher kaum auszuhalten war. endlich als es 2 uhr wurde, mußte ich alle weitere hoffnung sinken lassen und ging zu Bette. daß ich schlecht schlief, versteht sich von selbst. ich glaube, ein Paar solche manquirte rendezvous oder eine plötzliche Weigerung clotildes mich allein zu sehen, könnte mich wahnsinnig machen und mich zu den ver- zweifeltesten streichen bringen. ist das liebe oder eitelkeit? heute früh aber, als ich mich ankleidete, vor 11 uhr, schickte sie mir ihre kammerjungfer, um mich zu rufen, ich kam dann und fand sie beym früh-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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