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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 245 -
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2454. Februar 1842 an meinen empfang in mailand denken, und dann denke ich vielleicht als egoist, jedoch gewiß als ein zu entschuldigender egoist, daran, den schmerz, welchen mir meine trennung von ihr verursachen wird, so sehr als möglich zu verkürzen und zu vermindern, und dazu sind die rauschenden Belustigun- gen des carnevalone, zu welchen ich auf diese Art gerade recht in mailand ankomme, ganz geeignet. hinsichtlich meiner Amerikareise ist leider vieles noch nur zu ungewiß, jedoch kann ich es durchsetzen, so steht auch mein entschluß fest sie zu unternehmen, denn das einzige, was noch höher in mir steht als meine liebe zu clotilden, ist mein ehrgeitz. [florenz] 4. februar gestern war feister donnerstag und dazu ein ganz herrliches Wetter, also den ganzen tag über große Bewegung und eine unzahl masken auf den straßen. um 3 uhr der gewöhnliche corso (welcher am vorletzten und letz- ten sonntage, dann an Jeudi, lundi und mardi gras statthat), welcher sehr brillant gewesen seyn soll, ich sah ihn nicht. um 1/2 2 uhr ging ich aus und zu schnitzer, mit dem ich zu sprechen hatte, dann besuchte ich louis Zichy, welchen ich in einem Badwännlein sitzen fand so ungefähr wie ich im vergangenen sommer. es kam dann niki szapary dazu, welcher gestern von rom gekommen war. dann ging ich zu vieusseux Zeitungen lesen, und um 3 uhr verabredeter maßen zu gräfin lottum, welche sehr leidend war und auf dem canapeh lag, sie hatte sich kurz vorher erbrochen, nach und nach aber animirte sie sich im sprechen und wurde ganz wohl und lustig. Bald nach mir kam auf eine halbe stunde madame vivier, tochter der mad. catalani, eine sehr amusante junge frau, mit welcher clotilde verabredet hatte, künftigen sonntag en masque ins theater zu gehen. es unterhielt und freute mich, die kindische freude clo- tildens über dieses Projekt zu sehen, überhaupt ist sie voll lebenslust und sucht sich zu amusiren, und ist in solchen Augenblicken noch reizender als gewöhnlich. Als mad. vivier fort war, plauderten wir bis es ganz unbegreiflicherweise 6 uhr wurde, wir sprachen von ihr, von uns, von der schweiz, wo wir uns gesehen, von den 2 Jahren, die sie seitdem dort zugebracht, von clotildes Ju- gendjahren, sie erzählte mir ihre schicksale und wie sie nach und nach das geworden sey, was sie jetzt ist, wir machten Projekte, wo ich sie zunächst sehen werde etc. ihre Ältern sind in diesen tagen von neapel zu Wasser nach genua und haben also livorno berührt, ohne sie trotz ihrer verspre- chungen und clotildes Bitten davon zu benachrichtigen. dieses hat sie sehr geschmerzt, besonders da sie von hier nach holland zu lottum gehen, was daher eine um so éclatantere Zurücksetzung der eigenen tochter ist, im grunde ist aber diese darüber froh, weil sie nun einen vorwand hat, um die
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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