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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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2495. Februar 1842 so daß mir einfiel, um sie zu ärgern, wiewohl ich recht gut weiß, daß sie es nur thut pour sauver les apparences, ein Bischen zu kokettiren, ich fing daher an, unverwandt in eine loge vis-à-vis hinüber zu schauen, ließ mich mit fleiß ein paar male von ihr auf solchen langen Blicken ertappen, und es währte nicht lange, so wurde clotilde zerstreut, still und fragte mich endlich ziemlich brusquement, mit wem ich denn kokettire, ich hörte aber noch nicht auf, setzte mich neben sie und schielte hinter ihrem rücken hinüber, das wurde ihr dann zu arg, sie machte mich ganz förmlich aus und erklärte, sie litte das nicht, so ging unser spiel fort, welches mich sehr amusirte. Als sie fortging, ging ich auch, nach hause und zu ihr. da fand ich sie ganz still und niedergeschlagen am kamin sitzen, zerstreut und nachden- kend, gab mir nur halbe Antworten, ich glaubte Anfangs, es sey noch die rückwirkung meiner manœuvres im theater, und schien daher dieses nicht zu bemerken, sondern sprach und scherzte als ob nichts wäre, endlich aber sagte sie mir, sie hätte heute sehr unangenehme Briefe erhalten. Anfangs wollte sie mir deren gehalt nicht sagen, endlich aber erzählte sie mir, Brock- hausen käme in diesen tagen hier an, sie habe heute einen Brief von ihm erhalten, worin er ihr seine imminente Abreise ankündigte und sie bath, ihm sogleich poste restante nach münchen und verona zu schreiben, er schreibt ihr voll liebe und Zärtlichkeit, und was mehr als das ist, sie weiß, daß er ihretwegen die größten opfer gebracht hat. um ihr näher zu seyn, hat er sei- nen Posten in stockholm aufgegeben und sitzt nun seit monathen in Berlin, um einen andern zu erhalten, jedoch werden die Aussichten immer trüber. neapel, worauf er rechnete und das man ihm versprach, will nicht leer wer- den, die unbegreifliche ernennung Bunsen’s nach london und des jungen Werther nach der schweiz hat das Avancement gesperrt, und eine menge favori’s des neuen königs drängen sich um ihn. indessen hat ihm der könig vor seiner Abreise nach england erlaubt, bis auf Weiteres zu reisen, und das will er nun thun und zu clotilden kommen, er scheint sehr aigrirt über alles dieses. clotilde fühlt sich nun in der unangenehmsten peinlichsten lage, sie liebt ihn nicht mehr, und doch erkennt sie die großen opfer, die er ihr gebracht hat, und die unmöglichkeit, sich hiernach von ihm loszusagen, sie ist ge- rührt über seine hingebung und ängstiget sich über seinen bevorstehen- den Besuch, welcher ihr so unangenehm ist, daß sie noch immer hofft und wünscht, er möge nicht statthaben. Zugleich macht sie sich aber vorwürfe über diesen Wunsch und diese hoffnung, und über ihre kälte gegen ihn. nun war es an mir, still und nachdenkend zu werden, ich überlegte bey mir, was ich nun thun und sagen sollte, sonderbar daß ich mich darüber nicht so unglücklich fühlte, als ich gedacht hätte, zum theile wohl, weil ich es nie so klar und deutlich gesehen hatte, daß sie mich wahrhaft und innig
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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