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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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2516. Februar 1842 sehnsucht an die tage zurückdenken, welche ich ihr verdanke und in denen mir das zu theile wurde, was der ehrgeiz nicht gewähren kann, ein ruhiges glück, eine wahre aufrichtige liebe. und hiermit sey denn dieser Abschnitt in meinem leben geschlossen. heute nachts um 4 uhr, nach dem veglione und meinem rendezvous, dem letzten, jedoch hoffentlich nicht für immer, mit meiner clotilde reise ich nach livorno und schiffe mich morgen um 3 nachmittags, trotz Wind und Wetter, letzteres ist sonnig und schön, jener aber bläst mit immer gleicher heftigkeit, nach genua ein. so lief ich gestern herum, zu schnitzer, dann zum Banquier ferzi etc. meine Anstalten treffen. clotilde hatte mich auf 4 uhr bestellt, und als ich eine halbe stunde früher zu ihr kam, war sie noch nicht zu hause, ich ging daher noch zu thurn’s, Abschied zu nehmen, und dann zu clotilden zurück, eine viertelstunde war ich mit ihr allein, dann kam Bonetta zu meinem ver- drusse, und als er, um ihrem friseur Platz zu machen, ging, ging auch ich, sie sagte mir später, daß ich gegangen sey, habe sie sehr gerührt, und sie hätte mich gerne zurückgerufen, ich ging dann noch ein Bischen herum und dann ins hôtel du nord, wo ich an der table d’hôte speiste, ich saß vis-à-vis von einer Art Aventurier, einem jungen blassen franzosen, dessen nahmen ich vergaß und den ich oft in mailand bey mad. finklohr gesehen hatte. die Polizey schickte ihn einiger schmutziger geschichten wegen fort, und ich begegnete ihn seitdem öfters hier, wo er mir auszuweichen schien, womit ich auch vollkommen einverstanden war, heute war dieses aber nicht mehr mög- lich, und so sprach ich denn soviel als gerade nöthig war mit ihm. nach der table d’hôte ging ich auf das Bureau des dampfschiffes francesco, mit dem ich fahren sollte, dann zu vieusseux und endlich nach hause, mir war den ganzen tag nicht wohl, eine Art von indigestion plagte mich seit gestern. ich machte toilette und ging ins theater, saß lange in der lottum’schen loge bey gräfin choiseul, die ich sehr liebe, und dann bey orloff. um 11 uhr ging ich nach hause und wartete bey mir auf die rückkunft clotildens, welche ihren Abend bey lady holland zugebracht hatte und bald kam, um wie sie sagte, mich noch zu guter letzt ganz zu genießen. ich sehe jetzt erst immer mehr ein, wie sehr mich dieser engel liebt, sie sprach so innig und einfach herzlich von ihrem schmerze über meine Ab- reise und von der leere, die sie dann empfinden würde, daß ich vor ihr nie- derfallen und sie hätte anbethen mögen, es gibt eine menge trifles, die einen, wenn man liebt, so unendlich freuen, z.B. sagte sie mir, von dem souper sprechend, zu welchem ich auf dienstag geladen war, sie hätte da ein Berett aufsetzen wollen, welches mir donnerstag im veglione so sehr gefiel, jetzt aber würde sie es nicht thun, eben weil es mir so gefallen habe und ich nicht mehr da seyn würde etc. Alles das mag einem kalten Zuhörer langweilig und
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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