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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 259 -
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25924. Februar 1842 eine Art von katarrhalfieber, welches sich nun seit gestern in den wahn- sinnigsten schnupfen von der Welt aufgelöst hat. das hindert mich nun zwar nicht auszugehen, doch ist mein kopf dergestalt eingenommen, daß ich kaum im stande bin, mich mit irgend etwas zu beschäftigen. ungeachtet dessen aber ging ich gestern Abends zu orsini, welche heute nachmittag nach florenz abreiste, wo sie übermorgen sonntag bey ihren Ältern speisen wird. die glückliche, könnte ich doch mit, ich fand einen vorwand, daß sie mir wird schreiben müssen, vielleicht sagt sie mir da auch etwas von gräfin lottum (thut sie es nicht, so ist es reine Bosheit, denn sie weiß recht gut, was zwischen uns besteht, so wie es überhaupt sehr viele leute in mailand wissen), und so ersehne ich denn auch von Andern etwas über sie. morgen schicke ich ein Paket mit französischen theaterstücken an hélène Würtem- berg, da wird mir die hoffentlich auch schreiben und gewiß etwas über clo- tilde einfließen lassen, wenn nichts anders, une méchanceté. daß mich unter solchen verhältnissen Alles ennuyirt, begreift sich, auch gehe ich sehr wenig unter leute, ausgenommen an meinen gewohnten tisch bey cova, und die Abende bin ich oft bey gabrielle, da spreche ich von dem was mich beschäftigt, und dieses ist mir lieber als Alles andere. Böckmann hat mir heute geantwortet, er stände eben von einer krankheit auf und könne mir daher die gewünschte Arbeit nicht besorgen, übrigens zweifle er nicht, daß sein schwager trotz seiner reise sein versprechen in kurzem erfüllen werde, dummes geschwätz, so muß ich mich denn wegen der gewünschten renseignements wo anders umsehen, aber wo? [mailand] 24. februar es sind unangenehme tage, die ich jetzt hier verlebe, ganz das Widerspiel des sprichwortes post nubila Phoebus, hier heißt es post Phoebum nubes, seit der taumel und die Zerstreuung des carnevalone, die mich nicht zu sin- nen kommen ließen, verflogen sind, quälten mich Anfangs meine noch fri- schen und schmerzlichen rückerinnerungen an florenz und an meine clo- tilde, diesen unvergeßlichen Punkt in meinem leben, und nun praeoccupirt mich nicht minder, nur in einer andern Weise unangemessen, meine bevor- stehende Abreise nach Wien und die hundert kleinen, aber darum nicht we- niger vexanten hindernisse und Anstände, die sich mir da entgegen stellen. da verwünsche ich denn tausendmahl im tage meine gedrückte gebundene stellung und die gottverfluchte Bureaukratie, welche nur immer darauf hin- ausgeht, einem enger und enger die hände zu binden. da habe ich dann erst einen strauß mit dem delegaten, dann mit dem gouverneur und gott weiß noch wem zu bestehen, nebstdem die fragen und Bemerkungen von eini- gen dutzend solcher kerle zu ertragen, was für miserabilitäten verpfuschen einem doch das kurze und ohnehin langweilige leben! werde ich diese nie
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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