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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 264 -
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Tagebücher264 den als gabrielle, bey der ich manchen Abend zubringe, vielleicht werde ich spaur vor meiner Abreise davon reden, damit er für jeden möglichen fall prévenirt sey, und vorzüglich damit er in eine verlängerung meines urlaubs seiner Zeit willige, denn in 6 Wochen kann die sache unmöglich zur reife kommen. von clotilde weiß ich seit meinem letzten nichts und warte mit unge- duld darauf zu hören, was Brockhausens Ankunft in florenz in ihr für Wir- kungen hervorgerufen hat. letzthin fragte ich meine alte flamme ronzi, ob sie glaube, daß eine frau Jemanden, den sie einst geliebt habe, und von dem sie vernachlässigt worden sey, wieder lieben könne? und sie meinte, die neigung könnte noch einmal, jedoch nur auf sehr kurze Zeit, auflodern, um dann für immer zu verlöschen, wir werden sehen, ob sie recht hat. reviczky ist pensionirt, was wird aus der schönen gräfin werden?1 sie geht nach Polen, er nach ungarn, und sie wird sich nun wohl aus langer Weile einen liebhaber nehmen, denn zum coquettieren ist Polen zu lang- weilig. gabrielle ist sehr beschäftigt mir ihren Anstalten zur reise nach tu- rin, die am 10. April angetreten und wohl 4 Wochen dauern wird. die ver- mählungsfeyerlichkeiten werden sehr glänzend seyn.2 [mailand] 13. märz mittags Alles ist in ordnung, und heute Abends 6 uhr reise ich ab, mit spaur habe ich von meinen Projekten gesprochen, und er hat sie mit weniger erstaunen, als ich dachte, angehört, ja er schien sogar darauf einzugehen, und was mir die hauptsache war, zog er daraus von selbst den schluß, daß ich in 6 Wo- chen schwerlich zurück seyn könne. das wäre also gut. von clotilde habe ich keine Briefe, ich schrieb ihr gestern halb vorwurfsvoll, um ihr meine Abreise zu melden, ich fürchte sehr, sie hat mich über Brockhausen vergessen, oder ist daran mich zu vergessen. das wäre mir sehr schmerzlich. von hoffmann3 auch nichts, ich fange an, darüber unruhig zu werden. sonst nichts neues, meine ideen sind dieselben, jetzt wird der tanz ange- hen! vogue la galère. Wien 19. märz mittags sonntag den 13. fuhr ich um 6 uhr Abends ab, nicht allein, wie ich gehofft hatte, sondern mit einem demüthigen alten teufel von spießbürger, dem 1 der ehemalige ungarische hofkanzler graf Adam reviczky war seit 1836 gesandter in florenz. er war seit 1836 mit der um 32 Jahre jüngeren sidonie szumlanska verheiratet. 2 erzherzogin Adelheid (Adèle), tochter des vizekönigs rainer, heiratete am 12.4.1842 den thronfolger und seit märz 1849 als vittorio emanuele ii. könig v. sardinien-Piemont. 3 das hamburger verlagshaus hoffmann & campe.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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