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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 265 -
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26519. März 1842 gastwirthen von laveno am lago maggiore, der einer erbschaft wegen zum ersten mahle in seinem leben die lombardie verläßt und nach czaslau reist, mit ihm und seinem dummen geschwätze hatte ich die ganze reise über meinen spaß, maltraitirte ihn aber auch zuweilen gehörig. montag um 10 uhr waren wir in verona, wo wir 2 stunden blieben, Abends in treviso, wo ich thee trank, und dienstag 11 uhr in udine, immer das herrlichste Wetter von der Welt, ja beynahe heiß, vor vicenza hatten wir sogar einen kurzen hagelschauer, die Wege vortrefflich und die ganze reise recht angenehm. in udine, wo ich, seit ich es 1836 verließ, nicht mehr gewesen war, freute es mich sehr, alle die bekannten dinge und gesichter wieder zu sehen, die mich an hundert längst vergessene geschichtchen erinnerten. in der europe, wo ich abstieg, bezeigten mir Wirth und Wirthin eine unendliche freude über mein erscheinen und wollten mich kaum weglassen. Als ich, nachdem ich gegessen hatte, ein wenig herumsteigen wollte, begegnete ich dann gleich den guten stainero, der mir alles neue und interessante von udine erzählte, was freylich sehr wenig ist. doch aber freute es mich, es thut einem wohl, von Zeit zu Zeit in einen solchen ort zurückzukommen, wo im- mer Alles sich gleich bleibt, und man hat zuweilen Anwandlungen von sehn- sucht nach einer solchen stabilität, nach „des stillen Baches ebner fläche.“1 gegen 1 uhr fuhr ich weiter und passirte am Abende die Pontebba. mor- gens 8 uhr waren wir in klagenfurt. da war mir aber sehr krank und elend, ich hatte unvorsichtiger Weise seit udine nichts Warmes genommen, und sey es nun dieß oder sonst etwas, kurz ich befand mich sehr übel, erbrach mich ein Paar male und blieb trotz suppen und geschichten den ganzen vormittag unwohl. gegessen wurde in neumarkt und dann die langweilige reise durch diese traurigen einförmigen gegenden fortgesetzt. donnerstag früh 5 uhr frühstückte ich in Bruck, passirte gegen 11 uhr den semmering zum ersten male auf der neuen straße,2 speiste in neunkirchen und war vor 9 uhr Abends in Wien angelangt, was beynahe beyspiellos gut gefahren war, da der courier sonst erst spät in der nacht, oft erst das morgens, ankömmt. im römischen kaiser war ein Zimmer bestellt, und so fuhr ich dahin. Wie ich in Wien einfuhr, und am ganzen selben Abende, empfand ich ein solches gefühl von niedergeschlagenheit und muthlosigkeit, daß ich es kaum ertragen konnte. Alle die kleinen tracasseries, die ich hier schon erlit- ten habe, und denen ich entgegen gehe, fielen mit Zentnerlast auf mich, die 1 Aus friedrich v. schillers gedicht An die freunde. 2 die neue straße über den semmering war am 17.8.1841 durch kaiser ferdinand eröffnet worden. durch kunstbauten und die führung in serpentinen wurde die notwendigkeit des vorspanns stark reduziert.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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