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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 271 -
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2718. April 1842 von clotilde weiß ich nun seit einem monathe gar nichts, sollte sie mich wirklich so ganz und schnell vergessen haben? das kommt mir unglaublich vor, zudem muß Brockhausen schon lange von florenz weg seyn, da er, wie ich hier vernahm, denn doch zum gesandten in neapel ernannt wurde und bereits seine creditive übergeben haben soll, und da er in florenz am ner- venfieber krank lag, so kann sie ihn nur äußerst wenig gesehen haben, oder hätte gerade dieses Brockhausen genützt? a lucky dog. ich spreche oft von ihr mit tettenborns, die sie sehr genau kennen und lieben. [Wien] 8. April Abends seit ich zuletzt schrieb, sind mir die tage alle in einer beständigen hetze, wie das schon in Wien nicht anders ist, vergangen. in der osterwoche that ich nicht viele schritte hinsichtlich meines reise- projektes, ich sondirte bloß da und dort das terrain und suchte zu erfahren, wie und wo ich anklopfen müsse, denn da hartig so wenig für dasselbe emp- fänglich scheint, und August lobkowitz, auf welchen ich mit solcher Zuver- sicht rechnete, nicht mehr ist, fand ich mich Anfangs nicht wenig désorien- tirt. so de but en blanc und ohne eine vorläufige mächtige fürsprache mit fürst metternich zu sprechen, hielt ich auch nicht für gerathen, besonders da ich das ungünstige vorurtheil kenne, welches ihn wenigstens sonst gegen mich befangen hielt, par parenthèse möchte ich doch wissen, ob er es ahnt, wie wenig ich die allgemeine täppische eingelernte Bewunderung für „oe- sterreichs großen staatsmann“ theile, und ob nicht dieses an jener Abneigung mit schuld trägt? so verging denn die vorige Woche, ich sprach mit verschie- denen menschen, unter andern mit Weikersheim, dessen An- und Absichten jedoch, wie mir scheint, nicht in meinen kram taugen, sondern rein kaufmän- nischer natur sind, was mir auch Baron kübeck heute zu verstehen gab. endlich am montag ging ich noch einmahl zu graf hartig, da ich einen besonderen Werth darauf legte, ihn von der festigkeit und reife meines ent- schlusses zu überzeugen, und noch einmahl seine Ansicht darüber zu hö- ren, es daher bey unserer ersten unterredung nicht bewenden lassen wollte. Wir sprachen lange, über eine stunde, das resultat war aber so ziemlich desselbe wie das erste mahl, nur daß ich dießmal länger und salbungsvol- ler ihm meine ideen auseinander setzen konnte. er aber kam immer darauf zurück, wenn ich dienen wolle und müsse, so könne mir diese reise nichts nützen sondern nur schaden, ausgenommen ich erwirkte es, in die diploma- tische carrière überzutreten, was aber ausschließlich von fürst metternich abhinge. sarkastisch und schneidend wie seine Art oft ist, kamen wir ein Paar mahle beynahe übereinander, das ende aber war, daß jeder bey seiner meinung blieb. ich hatte aber, da ich ihn schon nicht für meine ideen gewin- nen konnte, dabey wenigstens soviel erreicht, daß ich ihn von der festigkeit
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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