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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 274 -
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Tagebücher274 [Wien] 12. April gestern bin ich mit meinem mémoire an Baron kübeck fertig geworden und habe es seinem Praesidialsekretär überreicht. obwohl es nach der Andeu- tung des Präsidenten nur ganz kurz zu seyn brauchte, so habe ich mich doch darin ziemlich ausführlich über die handelsbeziehungen oesterreichs zu mittel- und südamerika und besonders über deren empfänglichkeit einer weiteren Ausdehnung verbreitet. doch habe ich mich so kurz als möglich ge- faßt, das ganze machwerk ist ungefähr 7 folioseiten lang geworden, welche ich, da ich zu hause nicht genug comforts und ruhe habe, im club concipirt und abgeschrieben habe. ich erwarte nun, was mir kübeck hierüber für wei- tere mittheilungen zugehen lassen wird. vorgestern sonntag verlor ich meinen ganzen vormittag mit visiten und Antichambriren bey sämmtlichen erzherzogen. erzherzog Johann über- raschte und entzückte mich durch seinen geist und sein reges interesse an denselben dingen, die mich so sehr erfüllen, wir sprachen lange von eisen- bahnen, handel etc., von der lage triests, von der nothwendigkeit, neue han- delswege zu suchen, und so sprach ich dann auch, jedoch ohne meines vor- habens zu erwähnen, von Amerika, das ist ganz mein mann, wäre der unser kaiser, doch wer weiß, ob ich ihn nicht werde brauchen können, wenn es gilt, meine Pläne zu unterstützen und mir eine pekuniäre Beyhilfe zu verschaffen. es ist jetzt eine ganze koterie von mailändern hier: felix Woyna, Pal- lavicini, serbelloni etc. gestern Abends im club hatte ich eine lange und interessante conversation mit fritz schwarzenberg, der ein ausgezeichnet geistvoller und instruirter mann ist, wenn ich auch manche seiner Ansich- ten über die jetzige politische Weltlage, namentlich seine geringschätzung deutschlands und der deutschen nation nicht theile. es gibt wohl gescheidte männer hier, namentlich unter den Ausländern, aber man sieht sie nicht, und diogenes mit seiner laterne wäre hier besser an seinem Platze als sonst wo. es ist merkwürdig zu sehen, wie theilnahmslos und dumm die hiesigen Weltleute an Allen Zeitereignissen vorübergehen. die neuliche Postreform, die dieser tage in der Wiener Zeitung erschien, und die doch so wichtig ist, wäre es auch nur als ein fortschritt zum Besseren, und der dießfällige of- fizielle Artikel nichts weiter als nur huldigung der Publicität, heißt ihnen ein dummer Artikel, den kein mensch lesen kann.1 gott bewahre mich so zu werden, wie diese menschen sind, und daher vor einem langen séjour in Wien, denn die dummheit ist ansteckend. übrigens ist es in der großen Welt hier jetzt ziemlich ruhig, Alles klagt wie sonst über langeweile, ahnt aber nicht, woher die kommt. Alle samstage sind charmante Bälle bey louis 1 Wiener Zeitung v. 31.3.1842, 667: neue Bestimmungen über die gebühren für die Benüt- zung der Brief- und der fahrpost ab 1.8.1842.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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