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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 276 -
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Tagebücher276 wißheit, bis wann ich diese zu irgend einem resultate bringen werde. mein urlaub geht am 24. dieses monats aus, und obwol spaur, der meine ideen kennt, mir gleich im vorhinein im falle ich eine verlängerung brauchen würde, diese zugesichert hat, ich habe sie auch bereits in diesen tagen auf weitere 4 Wochen angesucht, so kann ich doch ohne zu risquiren ihn gegen mich aufzubringen, was mir in jedem falle nachtheilig seyn könnte, diese verlängerungen nicht endlos wiederholen. Zudem habe ich auch das hiesige leben, das Warten, die ungewißheit bald satt, und nebstdem sind die ko- sten meines Aufenthaltes hier sehr bedeutend. Aus allen diesen gründen sehne ich mich nach mailand zurück, und doch fürchte ich, daß auch binnen dieser nächsten 4 Wochen die sache nicht so weit gediehen seyn wird, um meine Abreise zu gestatten. Wenn diese nur soweit gediehen seyn sollte, ich ginge gleich nach mailand zurück, nur müßte ich dann hier einen tauglichen und gut gestellten Bevollmächtigten zurücklassen, und wo einen solchen fin- den? Alles das geht mir nun im kopfe herum. nebstdem gehen auch meine Privatgeschäfte einen verzweifelten schneckengang, der gute desimon wird alt, und ganz görz ist in lethargie versunken, daß man vor ungeduld ber- sten möchte. so wenig sinn und lust ich auch gegenwärtig für die große Welt und ihre salons habe, besonders mühsam und wenig lohnend wie sie es hier ist, so wünschte ich doch sehr, mir einen Zugang in den intimen Zirkel bey met- ternich zu verschaffen, weil mir dieses für meine Pläne sehr nützlich wäre, aber gerade da weiß ich nicht recht wie ich es anfangen soll, ich habe diesen salon leider, als ich noch in Wien lebte und fereirte [sic], und auch bey mei- nen späteren séjours hier, immer nur zu sehr vernachlässigt, was ich jetzt bereue, zudem ist fürstinn mélanie sehr wenig aimable und encourageant, und ich habe nicht mehr den front d’airain, welchen ich ehemals hatte, und bin von einer vielleicht übertriebenen susceptibilität, so daß ich mich um keinen Preis aventuriren wollte, daher studire und sinne ich hin und her, wie ich dieses anfangen soll, darüber aber verstreicht die Zeit, und es wird wohl nichts daraus werden, so gut und nützlich es mir auch wäre. vor acht tagen hatte ich eine Audienz bey der kaiserinn mutter,1 welche sich eine halbe stunde lang sehr gnädig und freundlich mit mir unterhielt. die ganze vergangene Woche hatte ich hofdienst. von sonntag bis mitt- woche bey der regierenden kaiserinn, die mir aber gar nichts zu thun gab, und die drey letzten tage beym kaiser, wo ich um 3/4 8 früh schon da seyn mußte. gleich am donnerstage war ich mit ihm bey der öffentlichen Audi- enz – pauvre sire! – ich mußte mir Anfangs gewalt anthun, um nicht zu 1 karoline Auguste, die vierte gattin und Witwe von kaiser franz. sie war nur um ein Jahr älter als ihr stiefsohn kaiser ferdinand.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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