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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 277 -
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27724. April 1842 lachen. Am samstage hatte ich den mecklenburgischen general von Boddien zu empfangen und einzuführen, der das schreiben überbrachte, womit der großherzog den tod seines vaters dem kaiser mittheilte. Julie samoyloff war diese tage hier auf ihrer durchreise nach rußland. hartig gab ihr ein diner, wozu er mich zu meiner großen kränkung nicht eingeladen hat. nicolas esterhazy ist vorgestern mit seiner frau angekom- men, sie habe ich noch nicht gesehen, ihn sprach ich heute im casino. da bringe ich überhaupt beynahe alle meine Abende zu. fürstin thérèse [ester- házy] habe ich noch immer nicht gesehen, was mir sehr leid thut, sie ist im- mer unwohl, geht fast nicht aus, und fürchtet sich vor der gelbsucht. eine sehr hübsche und distinguirt aussehende junge frau, fürstin kourakin, sah ich letzthin bey Julie samoyloff und dann wieder bey fanny stockau im theater, daß doch keine Wienerin jemals den eleganten ton, das high breading besitzen kann, welchen soviele Ausländerinnen, vor allen meine clotilde, die übrigens wahrscheinlich nicht mehr meine clotilde ist, denn sie läßt noch immer nichts von sich hören, und selbst Julie samoyloff, wenn sie will, haben, ich nehme davon ein paar schwarzenberg und fürstin thérèse aus, die übrigens selbst eine fremde ist. seit 2 tagen haben wir auf einmahl das herrlichste frühlingswetter von der Welt, beynahe zu warm, der Prater sehr belebt, nur ärgert es mich, daß ich nicht reiten kann, dazu ist kein ort auf der Welt wie der Prater. die oper fällt von einem fiasco in den anderen, meine schöne malvani gefällt so so, nächstens gibt man corrado d’Altamura, herrlichen Andenkens aus mailand, doch zweifle ich sehr, ob sie gefallen wird. [Wien] 24. April Abends ich bin noch immer nicht bey mittrowsky vorgekommen, und da ich sonst gewöhnlich so oft ich mich meldete, immer gleich auf den folgenden oder den zweyten tag bestellt wurde, so muß ich beynahe glauben, er habe es mir wirklich übel genommen, daß er zuerst durch kübeck und nicht durch mich kenntniß von meinen Absichten bekam. Jedoch konnte ich unmöglich mit ihm darüber sprechen, ehe ich wußte, wie die sachen stünden, und ob eine Wahrscheinlichkeit da sey, meine reise in der Art, wie ich es wünschte, un- ternehmen zu können. dieses werde ich ihm denn auch bey nächster gele- genheit sagen. übrigens machte ich heute einen versuch, obschon ich nicht bestellt war, da alle sonntage bey ihm Audienztag ist, dennoch vorzukommen, es ge- lang aber nicht, und somit ging ich zum Baron geringer, welcher mir sagte, mittrowsky habe dem Baron kübeck bereits geantwortet, ihm die letzten Amtsberichte, welche über meine leistungen etc. erstellt worden sind, mit- getheilt, sich aber über die urlaubsfrage gar nicht geäußert. das wäre dann
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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