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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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28127. April 1842 ich packe die sache von dem anderen ende an und bekomme auch wohl noch die gehofften kommerziellen Aufträge, besonders wenn die minen glücklich springen, die ich in triest angelegt habe. eben übermorgen geht Weikers- heim dahin ab, und dem will ich meine instruktionen mitgeben. sollte sich aber das entsetzliche begeben, und meine gedanken, meine entwürfe, diese lieblingskinder meines kopfes gingen unter in dem moraste armseliger dummheit, und ich müßte wieder zurückkehren mein mühlrad treiben, an das ich wie ein zweyter ixion gefesselt bin, dann wäre es aus, auf immer aus mit der möglichkeit, meinen innersten Beruf mit meiner stel- lung zu vereinigen, und ein schmerzhafter Bruch mit Allem, was um mich, und auch mit manchem was in mir ist, wäre unvermeidlich, und übel würde dieß denen bekommen, die mich in dieses blutige dilemma hinein gestoßen haben, aber übel auch mir, denn nicht ohne einen gewaltigen riß im her- zen würde ich meiner neuen Bestimmung folgen. Wäre doch nur mein Buch schon gedruckt, dann käme vielleicht Alles zum Ausbruch. morgen gehen lerchenfelds weg, ich trank heute noch meinen thee bey ihnen, es waren ziemlich viele menschen da, was ist doch die Welt für ein albernes unding. da sitzen 30 menschen beysammen, und jeder hat seinen Wurm, seinen moder, seine fäulniß im herzen, aber keiner spricht davon, sondern sie sitzen da, lächeln so dumm in die Welt hinein und reden von opern und kreuzerwürsten, wie der spieler mit den blutigen nägeln im Bu- sen, ein Possenspiel, zu niemands frommen, aber zur marter und degrada- tion eines jeden einzelnen. o menschenpack! [Wien] 27. April um über die ursache der letzten événements etwas näheres zu erfahren, ging ich heute vormittag zu Baron geringer, mit dem ich eine lange un- terredung hatte. mittrowsky hat, ohne sich weder über meine Person noch über meinen Plan auszusprechen, bloß ganz einfach die letzten Berichte über mich mitgetheilt, also war es das nicht, was mir den gnadenstoß gab, denn diese Berichte waren nicht anders als günstig. Alles was ich aus ge- ringer herausbringen konnte, der auch selbst nicht mehr zu wissen schien, war, daß kübeck in der neuesten Zeit seine Ansichten geändert habe und die benöthigten notizen lieber von kaufmännischen Berichten und von den gewerbvereinen abwarten wolle, als selbsthandelnd aufzutreten, daß die ähnliche, obwohl ich diese Ähnlichkeit nicht zugab, reise friedrichsthal’s, der mit einer unterstützung von seiten der regierung reiste, und dessen unternehmen nun so ganz ohne resultate geblieben ist, dem meinigen ge- schadet haben könne, daß kübeck eine collision mit mittrowsky gefürchtet habe. Alles dieses aber genügt mir nicht, und ich werde wohl schwerlich je- mahls die ganze Wahrheit erfahren. übrigens meinte geringer selbst, daß
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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