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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 284 -
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Tagebücher284 zu einer vergeltung verpflichtet, und dann, qui pis est, kann ich in diesem falle nur sehr schwerlich auf eine geldunterstützung rechnen, welche doch die conditio sine qua non des ganzen unternehmens ist. um dieses in der gewünschten Art, nehmlich unter jener speciellen theil- nahme und Beförderung von seiten der regierung ausführen zu können, wäre nothwendig, entweder daß fürst metternich, sey es nun aus politi- schen, commerciellen, wissenschaftlichen oder sonstigen gründen, ein be- sonderes interesse daran nähme, und ob dieses geschehen wird, kann ich erst wissen, wenn ich mit ihm gesprochen haben werde, oder daß kübeck, wie ich Anfangs so zuversichtlich erwarten mußte, aus finanziellen rück- sichten an der sache ein besonderes gefallen fände und auch dem fürsten zu ihren gunsten spräche. dieser letztere Weg wäre der beste, natürlich- ste und wahrscheinlichste gewesen, und Alle, sowohl hügel als Bombelles, und dieser letztere namentlich bey unsrer heutigen unterredung, wiesen mich darauf hin, und ich konnte mich nicht entschließen, ihnen die uner- wartete Abweisung, die ich hier erfahren habe, zu erzählen, da sie dahinter vielleicht andere mir nachtheilige motive gesucht hätten, doch aber werde ich es endlich, und zwar bald, wenigstens Bombelles sagen müssen, damit er nicht denke, ich wolle mit ihm ein falsches spiel spielen. von kübeck ist also nichts zu erwarten, und sein negatives verhalten wird mir, fürchte ich, bey einer sache, wobey doch sein département vorzugsweise, wo nicht aus- schließlich betheiliget ist, beynahe eben so schädlich seyn als eine offene op- position. seinen sinn zu ändern, darf ich nicht mehr hoffen, aber was in aller Welt hat ihn in der letzten Zeit so geändert? von öttl und triest, auf das vielleicht auch etwas zu zählen wäre, noch immer keine Antwort! ich fange fast an, eine unterschlagung meiner Briefe zu fürchten. heute als am ersten may war der Prater sehr brillant, jedoch gerade keine menge schöner equipagen, sondern mit wenigen Ausnahmen ziemlich mit- telmäßig. ein arrangirtes diner im Prater war durch einen Zufall zu Wasser geworden, und so aß ich ganz allein im lamme und ging dann zu fuße hin- aus, wo ich aber eine menge Bekannte fand, mit denen ich mich als observa- tionscorps aufstellte. übrigens hasse ich alle dergleichen corsos und shows und begreife sie höchstens wenn man reitet, und auch da kaum. gestern war der letzte samstags-Ball bey lichtenstein, recht hübsch, ich sprach wieder einmahl lange mit fürstinn thérèse [esterházy], ein mir fataler französi- scher Attaché, mr. de reculot, brach sich beynahe das genick und riß im fallen einen ganzen theetisch um, es war ein lärmen, als ob das haus ein- stürzte. letzthin hatte ich ein concert bey Weikersheim. lauter plebs, und dießmal nicht so amusant wie früher sein diner, ich machte der hübschen tochter des hofjuweliers sieber ein wenig die cour, ging aber bald fort. halb
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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