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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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28913. Mai 1842 hinzu, dem Andrian zahlt der fürst metternich am ende noch die reise, wollte gott, seine vermuthung ginge in erfüllung. heute Abend habe ich louise Praschma zum letzten male gesehen, da sie morgen mit sidi fünfkirchen nach morawitz zurückkehrt, ein herrliches, unverdorbenes mädchen, welche mir die wenigen male, da ich sie sah, ganz außerordentlich gefiel. es that mir ordentlich weh, als ich sie bey troyer’s, wo ich nach dem theater hinkam, um sie noch zu sehen, und dort ihre tante georges und stephanie esterhazy1 etc. fand, an den Wagen geleitete, denn ich dachte: bis ich sie wiedersehe, hat die leidige Welterfahrung auch diese frische jugendliche Blume geknickt, und die Zeit vielleicht ihre blühende schönheit vernichtet. schade! diesen nachmittag war ich in der generalversammlung des ge werbs- vereines,2 einige vorträge, namentlich der über die leistungen der handels- section, sehr interessant, dann eine ziemlich bittere discussion über eine einem gewissen fabrikanten bewilligte médaille für dachziegel, wobey der Präsident, ferdinand colloredo, mir ziemlich parteyisch vorkam und auch ganz wacker ausgezischt wurde. im ganzen freute ich mich sehr über die würdige und doch theilnehmende haltung der sehr zahlreichen versamm- lung, das wäre in italien unmöglich. überhaupt fange ich an zu glauben, daß auch an den Wienern nicht zu verzweifeln ist. Auch sie schreiten fort und qualificiren sich allmälig zu freyen, mitdenkenden und mithandelnden staatsbürgern, freylich langsamer als gut wäre, aber wessen ist die schuld? [Wien] 13. mai Abends Am 10. ging ich auf Baron hügels Bestellung zu ihm in die staatskanzley, und da theilte er mir dann mit, was fürst metternich auf mein mémoire ge- schrieben hatte. es lautete ungefähr so: Will Baron Andrian die reise unter- nehmen, so will ich ihm die verlangten empfehlungen etc. gerne geben und ihn an unsere gesandtschaft in Brasilien weisen, diplomatische Aufträge wüßte ich ihm jetzt keine zu geben, und wegen kommerziellen müßte er sich an Baron kübeck wenden. hiermit wäre ich denn sowol bey metternich als bey kübeck vorläufig am ende meiner unterhandlungen. von Beyden kann ich auf unterstützung und theilnahme rechnen, aber wenigstens vor der hand auf nichts weiter, d.i. auf keine speciellen Aufträge, die Autorisation Berichte zu erstellen, versteht sich nach jenen eröffnungen von selbst. im momente meiner reise könnten sich vielleicht, vornehmlich von seiten kübecks, dann doch noch Aufträge 1 Gräfin Karoline Esterházy, geb. Gräfin Praschma, Gattin von Graf Georg Esterházy (1781– 1865), und ihre tochter stephanie. 2 der 1839 gegründete niederösterreichische gewerbeverein.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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