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finden, für jetzt aber bleibt mir nichts Weiteres zu thun übrig, ebenso kann
ich unter diesen umständen wegen einer pecuniären unterstützung begreif-
licherweise keine schritte thun, dieserwegen vorläufig zu sondiren, will ich
daher entweder Andern überlassen, z.B. flore, obwohl diese zu dergleichen
diplomatischen verwendungen mir nicht sehr geeignet scheint, oder kann ich
es auch vielleicht selbst thun, jedoch nicht jetzt gleich, da ich bisher immer
hatte voraussetzen lassen, ich wolle ganz auf eigene kosten reisen. das kann
dann auch brieflich geschehen, die hauptsache ist daher nun, das nöthige
geld zusammen zu kriegen, habe ich das, so reise ich, denn einer aufmun-
ternden theilnahme von seiten der regierung bin ich gewiß, und somit dürfte
das übrige sich finden. nur hartig, bey dem ich heute war, um meine vorläu-
fige Abschieds-visite zu machen, beharrt bey seiner meinung. ich war gestern
Abends wieder bey metternich in der hoffnung, ihn wegen der gewünschten
courierreise nach Berlin zu sprechen. dieß war aber nicht möglich, ich will es
nochmals versuchen, habe aber geringe hoffnung auf erfolg, er sitzt immer
entweder bey damen oder geht mit diplomaten etc. ins nebenzimmer, und
ihn abzufangen ist daher kaum möglich. doch freut es mich, nun Zutritt in
seinen intimen Zirkel gefunden zu haben, leider zu spät. ihm aber mein Anlie-
gen durch einen dritten vortragen zu lassen, scheint mir nicht passend. Wir
werden sehen. Auch möchte ich in geeigneter Weise auf den strauch schlagen,
ob mir nicht auf kosten der regierung ein Botaniker oder mineralog mitgege-
ben werden könnte. das soll mir dazu dienen zu erforschen, ob von seiten der
regierung irgend ein geldopfer in dieser hinsicht zu erwarten stünde.
unter diesen umständen habe ich hier nichts weiter zu thun und werde
wohl in circa 8 tagen abreisen, wahrscheinlich mit Arthur Pallavicini, mit
ihm nach münchen gehen, und während er da bey seiner schwester sitzt,
nach stuttgart fahren, um dort mit cotta zu sprechen und zu sehen, ob sich
mit ihm nach unserer correspondenz im verflossenen Winter irgend ein
geldarrangement machen ließe. hier werde ich mir taugliche briefliche ver-
bindungen ménagiren und das Weitere der Zeit, meinem glück und fortwäh-
renden Bemühungen überlassen.
endlich ist mein geschäft mit der sparkasse in ordnung, durch ganz
besondere Protektion und nicht ohne schwierigkeiten hat sie mir gestern
das Anleihen von 18.000 fl. bewilliget. die effective Auszahlung des geldes
kann ich aber hier nicht abwarten. da es mit der Ausspielung von Papa-
riano nichts ist, so habe ich ohnehin den verkauf des gutes beschlossen und
deßhalb von hier aus das nöthige eingeleitet. durch die pfiffigen delmestry,
senigaglia und Andere.
Wegen des elenden lehens Werburg werde ich doch, nach reiflicher über-
legung und hauptsächlich, um die mit der Ansässigkeit in tyrol ebenfalls
verbundenen ständischen und sonstigen vorrechte (z.B. stiftungen, kon-
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Band I
- Titel
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Untertitel
- Tagebücher 1839–1858
- Band
- I
- Autor
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Herausgeber
- Franz Adlgasser
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2011
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 744
- Schlagwörter
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Kategorie
- Biographien