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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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29726. Mai 1842 zu sprechen, und hatte meine freude daran, zu sehen, wie sie sich unwill- kürlich warm und immer wärmer seiner annahm, die frauen verzeihen ei- nem manne doch Alles, en grâce daß er ihnen den hof gemacht und in sie verliebt geschienen hat. im ganzen fand ich irène recht amusant, natürlich und de bonne com- pagnie, aber doch mit einem gewissen Anstriche von ostentation, vor- nehmthuerey und kleinstädtischem Bewußtseyn der eigenen größe, wel- che meinen Anforderungen von high breeding nicht ganz entspricht. gerne hätte ich meinen übrigen tag, den ich ohnehin nicht recht zu employiren wußte, bey ihr zugebracht, da sie mir aber nichts darüber sagte, so ging ich endlich nach 5 uhr weg, ein bischen im englischen garten spatzieren etc., und um 1/2 7 faute de mieux ins theater, ich nahm einen sitz neben einem herrn und einer dame, die mir sogleich ins gesicht lachten, ich erkannte sie nicht gleich, es war vetter eduard und seine frau, sie hatten eine un- endliche freude mich zu sehen, und da sie noch mit mir soupiren wollten, ich aber zwey nächte nicht geschlafen hatte und folglich früher zur ruhe zu kommen wünschte, so persuadirte ich sie, vor dem ende mit mir wegzu- gehen, wir gingen in ihr hôtel zum bayerischen hofe und soupirten da mit einander in ihrem Zimmer, da war dann beyderseits viel zu fragen und zu erzählen. onkel ferdinand ist, wie ich wußte, in Ansbach, louise an einen re- girungsrath von hornberg vermählt und in Augsburg, emil hat eine furcht- bare catastrophe erlebt und hervorgerufen, dadurch daß er einem mädchen ein kind fabrizirte, worüber sich ihr vater, major in emils regimente, er- schoß, und die ganze familie, mutter, großmutter, tochter und kind, wie mücken dahin starben, er ist seitdem nach Passau versetzt. Anton hat so eben ein duell in Amberg gehabt und ist schwer verwundet, und ernst wird nächstens seine erste messe in neuhaus lesen. nach ein paar stunden geschwätz gingen wir auseinander. von meinen reiseplänen wußte er durch die lerchenfeld, und wir sprachen viel darüber, er trat heute früh eine kleine lustreise durch tyrol an. [münchen] 26. mai morgens gestern früh 7 uhr fuhr ich dann auf der eisenbahn nach Augsburg, meine Absicht war, mit den redacteurs der allgemeinen Zeitung und des Auslan- des zu sprechen, und wenn diese, wie ich für beynahe gewiß voraussetzte, über meine Anträge nichts verfügen könnten, Abends 9 uhr mit dem eilwa- gen nach stuttgart zu reisen und dort mit cotta selbst zu sprechen. natür- lich verlangte und erwartete ich für den Augenblick keine vollständige Ab- schließung eines vertrages, welcher erst nach reiflicherer überlegung und wiederholter rücksprache eingegangen werden kann, alles was ich zu wis-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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