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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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30328. Mai 1842 von st. martin im herbste 1839, leider sind Arco valley’s eben jetzt in Paris, Andlau,1 dörnberg etc. die frauen hier se piquent de vertu, was gerade zur Annehmlichkeit der gesellschaft nichts beyträgt, besonders ist irène mit einer so klösterlichen unbefangenheit dans les bons principes, daß man nicht weiß, ob man dar- über lachen oder sie bewundern soll. sonst scheint hier, wenigstens soviel ich bis nun gesehen habe, auch nicht viel mehr interessante conversation zu herrschen als in Wien, von Politik spricht man, versteht sich in der großen Welt, so gut wie gar nicht, gelehrte und künstler sind wie dort von ihr ausgeschlossen, und als irène mir heute sagte: sie begegne zuweilen dem berühmten görres, und ich sie fragte, wie er aussehe, antwortete sie ganz kurz: dumm, und damit war er abgethan. übrigens hat der könig jetzt eine Art von maitresse, wie ich höre, ein fräu- lein lizius, der er aber nach seiner beliebten manier nichts gibt, dagegen aber ihre protégés anstellt, und so heißt man sie den ludwigscanal, er ist so eben bey terracina ausgeraubt worden, will aber, daß dieses ein geheimnis bleibe, er ist in seinem lande unpopulärer als je, und Aller hoffnungen rich- ten sich, wie das schon geht, auf den kronprinzen. Bayern repraesentirt noch immer nicht den blühenden, wahrhaft fort- schreitenden charakter deutschlands, und es hat mir wehe gethan, zu sehen, daß zwischen oesterreich und hier noch immer kein allzu großer unterschied herrscht. Auch die Äußerungen der Augsburger redacteure und ihre lebhaften unterscheidungen zwischen nord- und süddeutschland haben mich schmerzhaft berührt, ich hatte mir deutschlands einheit als näher vorgestellt, sollte die verwirklichung dieser lieblingsidee auch noch lange auf sich warten lassen? Bundestag und Preßzwang, ihr wäret daran schuld. [münchen] 28. mai gestern stöberte ich einen guten theil des vormittags in den hiesigen Buch- handlungen herum, meine Absicht war auch, Prof. martius, der das große reisewerk über Brasilien geschrieben, zu besuchen,2 wenn ich kann, so will ich es heute thun, obwol ich aus einem einzigen Besuche eben keinen großen vortheil absehe. dann war ich bey Breul und machte einkäufe. um 3 uhr aß ich bey Arco. irène zeigte mir nach tische mit vielem Wohlgefallen ihre Ap- 1 richtig der badische diplomat franz Xaver Andlaw-Birseck. er war 1826–1839 geschäfts- träger in Wien und seit 1838 ministerresident in münchen. 2 Johann Baptist v. spix und carl friedrich Philipp v. martius, reise in Brasilien. Auf Befehl sr. majestät maximilian Joseph i., königs von Baiern in den Jahren 1817 bis 1820 gemacht und beschrieben. 3 Bde. (münchen–leipzig 1823–1831).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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