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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher304 partements, services, silberzeug etc., es ist eine excellente frau, aber ganz Weltkind, nichts weiter. dann stieg ich mit louis Arco und Arthur [Pallavicini] herum, sahen uns die magnifique niederlage der steigerwald’schen glasfabrik im Bazar an, die sich in folge des Zollvereines aus Böhmen herüber gezogen hat und nun ganz deutschland versorgt, wieder eine folge unseres versäumten Anschlus- ses. louis kaufte dort eine Art von füllhorn, ließ es bey tambosi mit ge- frorenem füllen und lief dann, kindisch wie er ist, in den straßen und im hofgarten herum, es damen und herren offeriren. im theater fanden wir wieder irène, und nachher schleppte Arco uns Beyde in ein abgesondertes Zimmer bey tambosi, wo wir auf recht bayerisch bey einem glase Bier saßen und dampften, mit uns die elégants von münchen und mitglieder des neu- eingerichteten, ambulanten Jockey clubs (!!) ohne Pferde und Appartement, an dessen spitze der kronprinz steht und dessen einziger Zweck spatzier- ritte in die umgebung sind. heute Abend nach dem theater fahren wir ab, über tegernsee und kreuth nach innsbruck, und sind am 31. Abends zu hause. mailand 2. Juny 1842 vormittags Am samstag den 28. ging ich gegen mittag zu irène, welche ich beym früh- stücke fand, wir gingen dann später aus, shopping, flaniren, und ich verließ sie nur auf eine halbe stunde, um mit Arthur [Pallavicini] einen kurzen Ab- schiedsbesuch bey Witgenstein zu machen, den wir in der Bibliothéque fan- den, seine frau war unwohl. irène Arco ist eine unendlich gutmüthige frau, die man bey näherer Be- kanntschaft sehr lieb gewinnen könnte, heftig, und eifersüchtig auf ihren mann, dabey das freundlichste verhältniß zwischen ihnen. das gibt einem Junggesellen lust zum heirathen, wenn man solche 12 Jahre alte ehen sieht. Wir waren einen Augenblick zu hause bey louis Arco, wo eben sehr heftig über einen vom kronprinzen angesagten club-ritt débattirt wurde. dabey amusirte mich sehr die französische lebhaftigkeit des grafen ta- scher, dessen familie ich leider nicht kennen gelernt habe. um 1/2 4 uhr ging ich mit Arthur die Appartements des neuen königspal- lastes ansehen, die aber meiner erwartung lange nicht entsprachen, mei- stens klein, eine armselige nachäffung wahrer Pracht, z.B. weiß lakirtes holz statt marmor, schlechter stuc, schlechte vergoldungen etc. nur der thronsaal war wirklich schön. dann ging Arthur nach hause, da er mit sei- ner schwester zu einem diner im englischen garten geladen war, welches mehrere herrn gaben, und ich ging zu einem französischen restaurant, wo ich ziemlich gut aß, dann machte ich zu hause toilette, zahlte meine rech- nung und schickte meine sachen alle zu Arthur.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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