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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 305 -
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3052. Juni 1842 gegen 1/2 8 uhr ging ich ins theater, wo zum Besten der hamburger1 ca- tharina cornaro von lachner gegeben wurde, es war sehr voll und der ganze hof zugegen. die musik war sehr schön, da es aber entsetzlich heiß war, und irène nicht kam, ging ich nach einer stunde wieder weg, im englischen Park spatzieren, um den herrlichen Abend zu genießen, und dann in den hofgar- ten, wo ich louis Arco und Arthur traf. um 9 uhr gingen wir nach hause zu irène, ich machte meine reisetoilette bey Arthur, und dann soupirten wir beyde, tranken unsern thee und fuhren um 1/4 12 unter großem ge- heul irène’s ab, mir selbst war wirklich leid weg gehen zu müssen, ich hatte die Arco’s in der kurzen Zeit erstaunlich lieb gewonnen, und sie haben mich wirklich wie einen nahen verwandten aufgenommen. die nacht war schön, aber kalt. morgens früh waren wir in tegernsee und gegen 7 uhr in kreuth, das ich seit 1830 nicht gesehen hatte. Aber wie anders kam es mir vor als damals! meinen 17jährigen und noch dazu damals verliebten Augen war kreuth wie der inbegriff der elégance und des com- forts erschienen, und gegenwärtig schien es mir das gerade gegentheil von Beyden! das ist doch eine traurige Bemerkung, wie viel rein subjectives in unseren Ansichten liegt! nach einem kurzen frühstücke fuhren wir weiter durch das herrli- che Achenthal längs des sees und dann bey einer brennenden hitze über schwatz nach innsbruck, wo wir gegen 5 ankamen und in der goldenen sonne abstiegen. dort aßen wir und stiegen dann ein wenig herum, ich fand die stadt seit 1831 nur sehr wenig verändert, wiewohl ein Bischen verschö- nert, eine menge alter erinnerungen stiegen in mir auf, wieviel hat sich seit damals in und außer mir geändert! ich sah mehrere alte Bekannte, jedoch ohne sie anzureden, weil ich incognito bleiben wollte, da ich sonst der visiten kein ende gehabt hätte, so sah ich Preysing oder vielmehr eckhardt, mörl, carl lodron und meine ehemalige flamme elise lodron mit ihrer mutter vorbeygehen, da ich gerade unter dem thore des gasthofes stand, und wun- derte mich selbst darüber, daß mir ihr Anblick auch nicht die mindeste Be- wegung verursachte. vor 10 Jahren, wie war es da anders! Wir hatten über den stelvio fahren wollen, doch rieth man es uns auf der Post in innsbruck ab wegen schnee und lavinen, so fuhren wir um 7 uhr ab, waren des morgens darauf in Brixen, aßen in Botzen, begegneten unterwe- ges crivelli, der uns nachrichten aus mailand gab, waren Abends in trient und tags darauf zum frühstücke in desenzano, gegen mittag in Brescia, wo wir aßen und dann immer bey der scheußlichsten hitze, so daß wir auf jeder zweyten Post schmieren lassen mußten, weiter fuhren. um 1/2 10 uhr Abends waren wir in mailand. da hatte ich dann die unangenehme über- 1 für die opfer des großen hamburger stadtbrandes vom mai 1842.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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