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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 308 -
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Tagebücher308 leben habe ich denn auch wieder angefangen, was mich dabey einigermaßen tröstet, ist der große, kühle, ziemlich comfortable saal, welcher mir ange- wiesen ist, und dann die bequemere stundeneinteilung, die ich mir gemacht habe, ich gehe nämlich jetzt früher als sonst dahin, mein spätes erschei- nen war bisher der hauptgrief des delegaten gegen mich, und komme dann zwischen 2 und 3 uhr wieder nach hause, wo ich bis zur essenszeit bleibe. damit ist uns Beyden gedient, und ich gewinne an Zeit zu meiner eigenen freyen Beschäftigung. Wegen meiner Amerikanischen reise habe ich von hier aus nichts weiter unternommen, vorerst läßt sich nichts Anderes thun, oder eigentlich bleibt überhaupt nichts Anderes mehr ins reine zu bringen, als der geldpunkt. um die geldsumme, die ich aus eigenem beysteuern oder von gabrielle vor- gestreckt erhalten könnte, disponibel zu machen, muß ich wegen des ver- kaufes meines Antheiles an Papariano unterhandeln, d.h. erst einen käufer suchen und mir Propositionen machen lassen, obwol ich deßwegen schon in Wien durch die delmestry, durch senigaglia und michael strassoldo vor- gearbeitet habe, so will ich doch diese tage noch andere direktere schritte thun. einen Zuschuß vom hofe zu erhalten, darauf kann nur sehr behutsam und bey gelegenheit hingewirkt werden, auch habe ich deßwegen flore die nöthigen instruktionen gegeben, welche dabey den rath und Beystand der gräfin khevenhüller genießt, die, ob zwar gerade keine madame de staël, wenigstens viel terrainkenntniß, Aufrichtigkeit und eine sehr bedeutende stellung bey hofe hat und sich für flore und mich sehr warm interessirt, und daher auch par ricochet für mein Projekt, wie sie mir es bereits bewiesen hat, ich werde meinerseits, wenn ich die verhältnisse für günstig halte, mit erzherzog stephan darüber reden, der um die mitte July hieher kömmt, um sechs Wochen hier zuzubringen und sich in die italienischen geschäfte ein- zuweihen. ich bin noch immer ungewiß, ob ich mit dem vicekönig einmahl darüber sprechen soll, bey seinen bureaukratisch beschränkten Ansichten fürchte ich einerseits, daß mir dieses in seiner meinung schaden dürfte, was besonders in dem allerdings noch möglichen falle, daß aus meiner reise nichts würde, unangenehm wäre, auf der anderen seite aber könnte ihn, wenn ich auf einmahl und ohne ihn früher praeparirt zu haben, mit meinem urlaubs-gesuche angestochen käme, dieses noch mehr gegen mich aufbrin- gen. daß ich übrigens diesen urlaub nicht eher ansuche, bis nicht Alles im rei- nen, d.h. die geldmittel bey der hand sind, versteht sich von selbst. übrigens glaube ich, daß jene gewünschte unterstützung von seiten des hofes, ja vielleicht sogar auch eine von seiten der regierung sich am ehesten und leichtesten noch im letzten momente wird erreichen lassen, nähmlich wenn ich schon ganz entschlossen, gerüstet und fertig zu meiner reise da-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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