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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 316 -
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Tagebücher316 große und allgemeine unzufriedenheit hat hier ein soeben von Wien her- abgelangter erlaß der regierung verursacht, welcher die Beschlüsse der am 4. may dieses Jahres abgehaltenen versammlung der Aktionäre der vene- dig-mailänder eisenbahn indirekte annulirt (und zwar aus dem grunde, weil die größere Zahl der Actionnaires, nähmlich sämmtliche Wiener, da- bey nicht repraesentirt waren, welches aber ihre eigene schuld war) und die direktion der regierung und den Actionnaires gegenüber für alle weitere schritte verantwortlich macht. die Absicht der regierung geht offenbar da- hin, die freylich schon sehr, nahmentlich durch ihre früheren Zwiespalte, welche übrigens jetzt größtentheils beseitiget schienen, discréditirte ge- sellschaft aufzulösen und die Bahn auf staatskosten zu erbauen. nun ar- gumentirt aber der gesunde volksverstand so, daß der staat die Bahn mit- telst Auflage einer neuen steuer bauen, und dann die vortheile derselben beziehen und zugleich die steuer fortbestehen lassen wolle, was auch gar nicht unwahrscheinlich ist. doch ist das ganze Benehmen der regierung (und namentlich kübeck’s, wie ich höre) hierin weder offen noch konsequent gewesen, so zwar, daß der eigens zu jener versammlung hieher gesandte regierungscommissär hummelauer sich in Wien bitter beschwert und von allen weiteren verhandlungen zurückgezogen hat, indem er sich kompro- mittirt findet. überhaupt folgt hier eine unpopuläre, ungeschickte maßregel der andern, das stämpel-, das neue Postgesetz,1 in seiner Abfassung und form ein unding und auch seiner Wesenheit nach für die lombardey eine große last, einige sehr unpassende Adelsverleihungen, jetzt die eisenbahn- angelegenheit etc. kurz, wir können uns rühmen, auch nicht einen freund im lande zu haben. die Besten noch sind die, die uns nicht offenbare feinde sind, es ist die ultrareligiöse Parthey der sogenannten Biscottini, und auch diese betrachten uns als ein pis–aller und richten in der stille Augen und hoffnungen auf den könig zu turin. [mailand] 31. Juli diese Woche war Professor mohl aus tübingen hier, verfasser eines Wer- kes über die ministerverantwortlichkeit, das würtembergische staatsrecht etc.,2 einer der bekanntesten staatsrechtslehrer deutschlands, ich ließ mir von ihm viel über die neuesten politischen und litterärischen Zustände des neapel, graf rudolf lützow bis 1848 in rom und graf Josef trauttmansdorff bis 1849 in Berlin. 1 gemeint ist die mit 1.8.1842 in kraft getretene neue gebührenordnung für die Brief- und fahrpost, vgl. eintrag v. 12.4.1842. 2 robert v. mohl, das staatsrecht des königreiches Württemberg. 2 Bde. (tübingen 1829– 1831); ders., Die Verantwortlichkeit der Minister in Einherrschaften mit Volksvertretung rechtlich, politisch und geschichtlich entwickelt (tübingen 1837).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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