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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 326 -
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Tagebücher326 kommen sollten. die positiven Wissenschaften waren bisher und sind noch immer zu wenig mein fach, um einen Artikel von solcher tendenz schreiben zu können. recensionen und litteraturberichte könnte ich von hier aus bloß über italienische litteratur schreiben, und die kenne ich zu wenig, nähmlich gerade genug um es nicht der mühe werth zu finden, weiter zu forschen. so dächte ich denn, schreibe ich an kolb geradezu über oesterreichs handels- beziehungen zu America. das dürfte aus mancherley rücksicht das Beste seyn, jedoch warte ich hierzu einen von mir bestellten und bereits seit eini- ger Zeit mir angekündigten Aufsatz von triest ab. Jenen Brief brachte mir ein herr v. minutoli, preußischer regierungsrath in liegnitz, sohn des berühmten generals, ein sehr gebildeter angenehmer mann, von wie es scheint ziemlich gleichen politischen Ansichten mit mir. er macht nun eine wissenschaftliche und kunstreise in italien und interessirt sich vorzugsweise um fabriken, worin ich ihm einige Aufschlüsse zu geben vermochte. Wir sprachen lange über deutsche Politik und deutsche Zukunft sowie über oesterreichs Anschluß an den Zollverein, den er sehr zu wünschen schien, wiewohl ich ihm vorstellte, wie dadurch die beginnende suprematie Preußens in deutschland verloren gehen würde. so wie er, sagte er, dächte auch seine regierung, und jene suprematie sey nie ihr Augenmerk gewesen. ich suchte ihn noch am selben tage bey reichmann1 auf, fand ihn aber nicht, und will es heute, wenn er nicht schon fort ist, wieder versuchen. Wahrhaft erhebend ist die schilderung der grundsteinlegung am kölner dome vom 4. dieses monats.2 die Worte, die der könig gesprochen, wer- den in ganz deutschland wiederhallen, es muß ein herrlicher mann seyn, so schildern ihn auch erzherzog carl ferdinand und seine umgebung, wel- che vorgestern von Petersburg hieher zurück gekommen sind, und wahrhaft glücklich ist es, daß fürst metternich, welcher eigens an den rhein reiste, um ihn zu verderben und zu beschwätzen, wie es scheint, mit langer nase abzog. Jeden tag ist in Preußen ein fortschritt, so die jetzige einberufung der permanenten ständischen Ausschüsse, wann wird man bey uns ein glei- ches sagen können? graf mittrowsky ist inzwischen gestorben, und graf inzaghy sein nachfolger, wieder eines der beliebten Palliativen, doch sagt man, daß Pillersdorf die seele der neuen verwaltung werden soll, und das wäre ein glück. dieser tage begrub man den guten alten obristleutnant rolle, meinen gu- ten freund, sein tod betrübte mich ebenso sehr, als er mir unerwartet kam. 1 das hotel reichmann in mailand. 2 In seiner Rede bei der zweiten Grundsteinlegung, dem offiziellen Auftakt zur Fertigstel- lung des kölner doms, nannte könig Wilhelm iv. dies ein „Werk des Brudersinns aller deutschen“ und betonte den „geist deutscher kraft und einigkeit“.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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