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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 328 -
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Tagebücher328 und uns Alles zeigte. unter andern merkwürdigkeiten sahen wir dort eine eben erst accouchirte kuh sammt nabelschnur. der tag verging noch ziemlich schnell, unsere Projekte waren nunmehr ganz anderer natur, nämlich über Bellinzona an den lago maggiore und d’orta und von da nach varallo, an den monte rosa etc. zu gehen. von da an, nämlich vom 25. sonntag, aber regnete es unaufhörlich und mit einer beyspiellosen heftigkeit durch drey volle tage, so daß man von nichts als unglück und weggerissenen straßen hörte, wir saßen daher den ganzen tag tête-à-tête in unserem Wirthshause oder im caffehhause, schrieben die tollsten Briefe in die Welt hinein, nur um uns die Zeit zu kürzen, denn wir hatten, zu einer Alpenreise gerüstet, weder Bücher noch sonst etwas mitge- nommen, suchten uns auf alle nur mögliche Weise die stunden zu vertreiben und lagen meistens schon mit den hühnern im Bette. und doch, sonderbar genug, langweilten wir uns nicht, im gegentheile waren wir trotz alles un- gemachs fast immer der heitersten laune, zankten und disputirten uns oft weidlich, ennuyirten uns aber dabey nicht. neipperg hat viel verstand und noch mehr lebhaftigkeit und selbstvertrauen. dabey viele Ansichten, die von den meinigen total divergiren, und unter so bewandten umständen fin- det man immer stoff zu diskussionen. den ersten tag machten wir übrigens, und bey beständigem regenwetter, die fahrt mit dem dampfboote nach der cadennabia und zurück. mit uns war der impresario der scala, merelli sammt familie, 11 stück, dazu ein paar junge mailänder lionceaux, also en pays de connaissances, wir Beyde aßen übrigens allein und ganz excellent in der majolika. ein andermal, da es sich ein Bischen aufheiterte, gingen wir zu fuße nach dem castel Baradello, von wo man eine sehr schöne, wiewohl beschränkte Aussicht hat. einer jener Briefe, die mir die verzweiflung eingab, war an clotilde lot- tum, ich überlegte, wie es doch lächerlich sey, daß wir so auf ein mal und ohne eine ordentliche ursache so ganz alle verbindung aufgegeben haben, wie ich so gar keine Anwandlung von eifersucht in mir verspüre, und wie übrigens ihre liaison mit Brockhausen uns in frühern Jahren nicht an der correspondenz behindert habe, daher ich nicht einsehe, warum dieses jetzt der fall seyn sollte, und in diesem sinne schrieb ich ihr ganz freundlich und unbefangen, wir wollen sehen, ob und wie sie antwortet. endlich am mittwoche wurde es schön, wer war glücklicher als wir? Wir fuhren denn auch gleich um mittag nach lugano, eine ganz herrliche fahrt, besonders wunderschön aber ist lugano’s lage, mir war ganz wohl zu mu- the, als ich wieder schweizerluft athmete, und es kam mir vor, als sey ich in diesen 3 stunden der eigentlichen schweiz mindestens um 30 stunden näher gekommen. von innen besehen ist lugano übrigens ein rechtes nest, unser Projekt war denn nun, morgen, d.i. donnerstag über laveno an den
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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