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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher334 es denn auch leute, und namentlich auch hier, die dem könige nichts gutes weissagen und sich ärgern über die entfesselung der bisher gefangen gehal- tenen kräfte, ich aber denke: und entspränge auch daraus für den könig und die königliche gewalt nichts gutes (obwohl es noch dahin steht, ob für einen herrscher heutzutage die unbeschränkte gewalt wünschenswerther sey als die beschränkte), mag es doch, denn höher und wichtiger als die interessen der könige stehen die der völker, es mag seyn, daß friedrich Wilhelm am ende sich ganz wo anders finden wird, als er jetzt wähnt, doch es ist dieß ein ihm von gott eingegebener irrthum, eine Blindheit, die wir segnen müssen, und jeder schritt vorwärts, den er thut, ist ein unwiderbringlicher. erzher- zog Johann’s reden in cöln, heidelberg etc. (kein österreich, kein Preußen mehr, sondern ein einiges deutschland) gefallen mir und in deutschland besser, als sie in Wien werden gefallen haben,1 es ist ein wahres glück, daß endlich einmahl ein erzherzog andere als spießbürgerliche ideen ausspricht, doch wird ihm die strafpredigt darüber wohl nicht entgehen. Wenn aber auch mitunter einer spricht, gehandelt wird darum doch nicht, nicht einmahl wo es fast unausweichlich wäre. fürst metternich’s system ist die wahre genialität der dummheit, das zeigt sich nun wie- der in serbien bey der neuesten revolution in diesem lande vor unseren thoren, und rußland führt dort wieder das große Wort.2 Anfangs war der Beobachter,3 mirabile dictu, ganz für die rebellen, die fürst michael ver- trieben, jetzt nach einem monathe heißt es, wir hätten im einvernehmen mit rußland uns für den fürsten erklärt. schändlich aber und empörend ist rußlands Benehmen gegen seine ka- tholischen unterthanen, welches jetzt erst nach Jahren durch die päbstliche denkschrift in seiner ganzen Abscheulichkeit ruchbar wird. agegen einen solchen tyrannischen Bösewicht, als nikolaus, ist meiner innigen überzeu- gung nach gift und dolch erlaubt.a der einzige trost aberb bey diesen vor- gängen ist: sie können und werden dem despoten keinen segen bringen, und seine jetzigen gewaltthaten werden, vielleicht bald, fürchterlich gerächt werden. 1 Bekannt ist hier erzherzog Johanns trinkspruch bei einem empfang durch könig fried- rich Wilhelm iv. von Preußen auf schloss Brühl bei köln. 2 Der erst 19jährige Fürst Michael Obrenović musste Anfang September 1842 nach jahre- langen bürgerkriegsähnlichen Zuständen und seiner niederlage im kampf um die macht gegen den regentschaftsrat das land verlassen. Zum neuen fürst wurde bereits am 13.9.1842 Alexander Karageorgević gewählt, nach russischem Einspruch wurde Alexan- ders Wahl am 27.6.1843 wiederholt, worauf er auch von der Pforte anerkannt wurde. 3 Der Österreichische Beobachter, die offiziöse Zeitung der Staatskanzlei. a–a mit Bleistift gestrichen. b gestrichen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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