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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 338 -
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Tagebücher338 [mailand] 27. november es ist jetzt ein abscheuliches, wahres novemberwetter, abwechselnd regen, schnee und nebel – gäbe es nur keinen Winter, wenigstens nicht in italien! ich habe in diesen tagen eine unzahl Briefe geschrieben, um mir von den verschiedenen in oesterreich bestehenden gewerbevereinen, in Prag, Wien und grätz, die möglichst ausführlichen daten über den Zustand der vaterländischen industrie und ihrer desiderien in Beziehung auf die ame- rikanischen märkte zu verschaffen, bekomme ich diese in der gewünschten Weise, und habe ich von dem vierten in der monarchie existirenden ver- eine dieser Art, der società d’incoraggiamento dell’industria in mailand, was mir nicht schwer fallen dürfte, die ähnlichen daten beysammen, so besitze ich ein so ziemlich vollständiges tableau der österreichischen industrien. von triest habe ich vor kurzem endlich die versprochene Arbeit, zwar etwas kurz, doch interessant und werthvoll, über den Zustand unseres handels nach jenen ländern und die empfänglichkeit desselben, einen Aufschwung zu nehmen, erhalten, ähnliche mittheilungen erwarte ich von Wien etc. ich hatte gehofft, durch den Präsidenten des hiesigen cameralmagistrates kenntniß der officiellen daten über oesterreichs fabrikproduktion und sei- nen Aus- und einfuhrhandel zu erhalten, da ich glaubte, daß diese stati- stischen daten ihm von Wien aus mitgetheilt würden, aber darin irrte ich mich, er erhält nicht einmal das jährliche staatsbudget, sondern nur soviel seinen Bezirk angeht, es ist doch eine merkwürdige geheimthuerey in un- serer finanzverwaltung. ich will nun daran denken, mir diese daten, wel- che mir wenigstens der allgemeinen übersicht halber sehr nützlich wären, von Wien zu verschaffen. An hagenauer, sekretär des lloyd, schreibe ich morgen, damit er mir wenigstens vorläufig und privatim das mittheile, was der lloyd aus Anlaß meiner reise allenfalls erforscht und berichtet haben wollte. Waldstein schickte mir neulich als Antwort auf meinen Brief eine Antwort stadions, worin sich dieser im Allgemeinen sehr günstig für meine ideen ausspricht sowie auch für mein Begehren um eine unterstützung, zugleich aber sagt, so günstig ihn auch mein Brief für mich eingenommen habe, so müsse man doch vorerst noch wissen, ob ich dem unternehmen auch ge- wachsen sey, und diesen Beweis liefern könne niemand als ich selbst, ich frage nun aber, wie? Waldstein schreibt mir dazu, stadion verlange haupt- sächlich kenntniß der inneren industrie vornehmlich in technischer hin- sicht, was das aber heißen soll, ist mir bis jetzt noch nicht recht klar – sta- tistische kenntnisse und gesunde und gründliche staatswirthschaftliche Principien? da wäre ich ganz einverstanden und schmeichle mir auch, ziem- lich meinen mann zu stellen, sollte er aber rein technische kenntnisse mei- nen, so kann diese wohl nur ein fabrikant aus dem grunde besitzen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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