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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher342 [mailand] 16. dezember in der nacht von samstag dem 10. auf sonntag, nachdem ich noch wie ge- wöhnlich bis nach 1 uhr bey der samoyloff gesessen hatte, fuhr ich mit Per- gen, und zwar bis lodi mit seinen Pferden, ab. dort spannten wir neippergs Pferde ein, aber zu unserem unglücke, denn das eine war eine stute und eben rossig, so daß wir kaum eine halbe stunde gefahren waren, als sie über den strang sprang und niemand zulassen wollte. Als wir endlich mit hülfe eines eben vorbeykommenden carrettiere aus dieser noth befreyt waren, ging es weiter, aber unter beständigen schlagen und sätzen, was auf der hohen damm-artigen straße ohne geländer wirklich nicht ohne gefahr war. endlich schien die Bestie, nachdem sie geschirr und Wagen fast zertrüm- mert hatte, ruhiger zu werden, und so hofften wir, das Ziel unserer fahrt, Piacenza, ohne unfall zu erreichen. Aber 8 miglien vor dieser stadt, mit- ten auf der straße, fing das spektakel von neuem an, und ärger als je, der kutschbock war schon ganz in stücken, und wir mußten ausspannen, mit vieler mühe und Zeitverlust Bauernpferde requiriren, und so kamen wir ge- gen 10 uhr in Piacenza an. dort frühstückten wir mit Annoni, der während unseres unglücks vorbey gekommen war, fuhren dann mit der Post weiter, und waren gegen 5 uhr in Parma, wo wir mit großer noth in der Posta vec- chia eine schlechte unterkunft fanden. mit uns waren Annoni, langenau und hauptmann schmerling gekommen, denen Allen es noch schlechter er- ging als uns, denn die confusion war der vielen fremden wegen au comble. denselben tag war nicht mehr viel zu thun, als sich bey Bombelles aufzu- schreiben. das thaten wir denn und gingen, nachdem wir einen moment im theater gewesen waren, müde und matt zu Bette. tags darauf war die gran giornata, vormittags tedeum und Parade, bey der ich aber nichts zu thun hatte, ich benützte die Zeit dazu, um die wenigen merkwürdigkeiten Parma’s zu besehen: das museo mit vielen Alterthümern von den Ausgra- bungen von velleja im Piazentinischen, u.a. sehr interessante goldmün- zen, ketten, Bracelets, ringe etc., etruscische vasen, mumien etc., weiters die Bildergalerie mit schönen corregio’s und einem raphael, dann das aus holz konstruirte teatro farnese, woran ich nichts besonderes fand, das in vicenza ist weit schöner. dann die Bibliothek, mit einigen interessanten seltenheiten, einer hebräischen Bibel mit eigenhändigen Anmerkungen luther’s, einem koran, der cara mustapha, dem Belagerer von Wien, zu- gehört hatte, etc., endlich das schöne monument neipperg’s von Bartolini in der kirche s. Paolo.1 Auch machte ich einige nothwendige visiten bey 1 marie louise herzogin v. Parma war in zweiter ehe mit dem 1829 verstorbenen Adam Al- bert graf neipperg verheiratet gewesen. das von lorenzo Bartolini geschaffene denkmal steht heute in der kirche santa maria della staccata in Parma.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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