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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 344 -
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Tagebücher344 war, welche sich mit großer selbstverleugnung (denn sie selbst bezog von der einnahme nichts) an den eingang gesetzt hatte, um sich von den hie- sigen Badauds ein paar stunden lang begaffen zu lassen, während deren sie, wie sie mich versicherte, auf kohlen saß. dafür wurde sie aber auch, sowie ein Paar tage vorher bey ihrer einnahme, mit Bouquets und kränzen überschüttet. nachher, d.h. nach dem theater hatten wir, inhaber der klei- nen loge hinter der scene, Pergen, kielmansegge und ich, ein souper bey cova arrangirt, dazu wir auch lichtenstein engagirten. Wir 4 waren somit die gastgeber und luden nebst Pachta, der bey solchen Anlässen nie feh- len darf, nur noch die beyden taigny und den director m. doligny ein. ich hatte das Arrangement des soupers übernommen und erwartete sie daher im saale, bis Pergen das ehepaar in seinem Wagen hieher bringen würde. das souper war ganz ausgezeichnet, die Accessoires, nämlich meubles, sa- lon etc. vielleicht weniger elegant, als ich gewünscht hätte, doch ließ sich, da die 3 Andern darauf bestanden, das souper bey cova zu geben, nichts Besse- res machen. das ganze aber war dessenungeachtet sehr anständig, und was mehr als dieß sagen will, das souper sehr heiter, angenehm und gemüthlich. dabey immer so strenge in den grenzen des Anstandes, daß selbst Pachta trotz seiner und unser Aller lustbarkeit sich nicht getraute, einen seiner gewöhnlichen späße aufzutischen. sie ist eine charmante, deliciose Person, vom Wirbel zur Zehe grazie und heiterkeit, und dabey immer streng de- cent. Wir blieben bis gegen 3 uhr mitsammen, und gestern machten wir 4 festgeber zusammen (so hatte lichtenstein gewollt, obwohl ich es ein Bis- chen lächerlich fand) ihr unseren Abschiedsbesuch. heute ist sie weg, nach genf und Paris. sie war in der letzteren Zeit ganz bekannt geworden, hatte mehrere mahle in unserer loge gesessen, um die oper anzuhören, und ich war auf gutem Wege, mich in sie zu verlieben, da sie wirklich gar zu hübsch und liebenswürdig war. eine komische eifersucht bestand zwischen unse- rer loge und der gegenüberliegenden, jedoch nicht wie die unsrige hinter der scene, welche graf Walmoden, lichtenstein, Appel, martini, taxis und stanoevich zusammen genommen hatten, und als nun der Zufall wollte, daß diese am tage der einnahme der mad. taigny ihr 100 franken nach hause schickten, und diese bis auf den Augenblick ihrer Abreise stets der meinung blieb, diese gabe rühre von uns her, und sich dafür ein Bracelet kaufte pour avoir un souvenir de milan, womit sie dann auf dem theater und bey unse- rem souper erschien, eine voraussetzung, die wir uns durchaus keine mühe gaben zu widerlegen, da war es gar aus und der scherze und neckereyen kein ende. Jetzt ist sie weg, und ich habe ein excitement weniger, oder vielmehr gar keines. die samoyloff ist auch weg, montag den 19. Abends, und wird wohl heute in Paris seyn, warum sie so bald wegging, wußte sie wohl selber nicht,
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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