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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 345 -
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34524. Dezember 1842 hier ennuyirte sie sich, faute d’amant, und da wollte sie sich dann einreden, sie sey wieder in martini verliebt und fuhr ab. das ist ein verlust für mich, denn ihr salon war recht angenehm, besonders in letzter Zeit kamen ziem- lich viele damen hin, die schöne frezzolini, mathilde Berchtold, der ich in kluger voraussicht der zukünftigen Annehmlichkeiten ihres thees und ihrer loge mich zu nähern anfing, die visconti-Alari etc. und endlich, um das maaß meiner verluste voll zu machen, ist am sel- ben tage, d.i. am 19. früh, der hof und mit ihm gabrielle abgereist. sie fuhr übrigens allein, wollte einen tag in mantua zubringen, wo gottfried in garnison liegt, und am 21. früh in venedig seyn. vielleicht komme ich zu ende des faschings auf einige tage dahin, wenn ich nicht, was ebensomög- lich wäre, auch nur auf wenige tage nach rom fahre, um die moccoletti1 zu sehen. das wird von mancherley dingen abhängen, erstlich von mei- nem Avancement, welchem ich nun nach den letzten von Wien erhaltenen Briefen täglich entgegensehe, und zwar mit der hoffnung in mailand zu bleiben, und zweytens davon, wenn und wie meine reiseangelegenheiten zur entscheidung kommen. meiner meinung nach müßte da bald etwas los- gehen, denn ich habe nun meine sämmtlichen springfedern in Bewegung gesetzt (erst heute habe ich wieder an Waldstein oder eigentlich durch ihn an stadion geschrieben) und erwarte nun das resultat. so eben erhalte ich einen Zettel von der Buchhandlung tendler und schaefer, welcher mir meldet, daß campe mein Werk endlich verschickt habe, daß ein exemplar davon bereits per Post hieher unterweges sey, und daß mehrere andere in kurzem mittelst der gewöhnlichen frachtgelegen- heit nachfolgen werden. so geht denn endlich das lange erwartete in er- füllung! sonderbar! in dieser letzten Zeit hatte ich mich beynahe mit dem gedanken vertraut gemacht, dieses Produkt meiner vorjährigen stimmung und meines damaligen ehrgeizes, an dessen erscheinen ich damals soviele hoffnungen und luftschlösser geknüpft hatte, für immer der vergessenheit übergeben zu sehen. eine Art von Ahnung, daß der rechte Zeitpunkt bereits verstrichen sey, an Allem, was seit anderhalb Jahren bey uns, und unläug- bar zum Bessern, geschehen, eine leise Befürchtung, daß die in jener schrift niedergelegten Ansichten nicht mehr meine gegenwärtigen repraesentiren dürften, welche seitdem in manchen stücken ruhiger und vertrauensvoller geworden sind, nebstdem ein gewisses philistermäßiges gefühl der Behag- lichkeit, welches mich mit dem herantretenden mannesalter, wohl auch wi- der meinen eigenen Willen, zu beschleichen anfängt und meine sehnsucht nach einer gewaltsamen erschütterung und störung meiner jetzigen exi- stenz, wie ich diese damals empfindet, ziemlich stark gemildert hat, Alles 1 lichterfest zum Abschluss des carnevals in rom.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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