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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 348 -
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Tagebücher348 meiner ausdrücklichen Aufforderung es unterließ, der schrift eine Art von Buchhändler-vorwort vordrucken zu lassen, worin er erklärt hätte, daß sie ihm bereits vor einem Jahre zugekommen und nur durch eine reihe von Zufällen bisher verzögert worden sey, eine solche erklärung hielt ich für nothwendig, weil sich seit einem Jahre sowohl in der inneren, besonders der finanziellen Verwaltung Oesterreichs, als in der Weltpolitik Manches zugetragen hat, dessen nichterwähnung dem leser, welcher die verzöge- rung nicht kennt, auffallen muß. freylich läßt sich bey einiger Aufmerk- samkeit aus der schrift selbst der Zeitpunkt ihrer Abfassung herauslesen, doch wäre eine vorläufige Ankündigung desselben immerhin zweckmäßig gewesen. ich habe nun an campe schreiben lassen, er möchte diese er- klärung in seinem Blatte: der telegraph, nachholen, da er in demselben ohnehin wahrscheinlich eine Beurtheilung dieser schrift erscheinen las- sen wird. er scheint sich übrigens von demselben einen guten erfolg zu versprechen, da er bereits an die hiesige Buchhandlung geschrieben hat, um mit mir wegen einer allfälligen zweyten Auflage zu unterhandeln, für diese erste habe ich auf alles honorar etc. verzichtet und nur dem hiesigen geschäftsführer der tendler’schen handlung, Welsch, frey gestellt, sich für seine gehabte mühe etwas zu stipuliren. Was den inneren Werth der schrift anbelangt, so kann ich jetzt, nach- dem beynahe anderthalb Jahre verflossen sind, seit ich sie zuletzt in Hän- den gehabt, mit ziemlicher unbefangenheit darüber urtheilen. ohne un- bescheidenheit kann ich sagen, daß ich damit im ganzen zufrieden bin, weit zufriedener, als ich in dieser letztern Zeit befürchtete, wenn auch seit- dem manche meiner Ansichten anders geworden ist, und ich daher jetzt manches Anders schreiben würde. der styl ist hie und da, wo ihn nicht der gegenstand hebt und begeistert, schleppend und eckig, man glaubt es aber nicht, wie schwer es ist, eine fortlaufende, gleichförmig angenehme schreibart zu bewahren. rahel spricht darüber sehr treffende Worte in ih- ren Briefen an genz, welcher einer der Wenigen war, die dieses konnten.1 einige Punkte, z.B. die Bureaukratie und Papierherrschaft in oesterreich, sind zu oft und zu gleichlautend berührt und geben oft ermüdende Wieder- holungen, andere, so z.B. die volksbildung, die handelsverhältnisse, die industrielle gesetzgebung und der Zolltariff, gar nicht oder doch zu ober- flächlich erwähnt. Sonst aber scheint mir die Schrift gut und an mehreren stellen sogar brillant, und es sollte mich wundern, wenn sie nicht großes 1 Andrian bezieht sich wohl auf die in rahel (varnhagen v. ense), ein Buch des Andenkens für ihre freunde. 3 teile (Berlin 1834) gedruckten Briefe an friedrich v. gentz. gentz’ Briefe an rahel in schriften von friedrich von gentz. ein denkmal, hrsgg. v. gustav schle- sier. Bd. 1: Briefe und vertraute Blätter (mannheim 1838).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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